|
Wie der Sand der
Wüste Gruppe:
Oldi-Gruppe
Tagebuch von
Rune
Zwei neue
Prophezeiungen
Fast 2 Tage war ich ohnmächtig gewesen oder geschlafen. Als
ich meine Augen aufschlug saß der Moha neben meinem Bett und lächelte mich an.
Er erzählte mir was sich auf dem Schiff zu getragen hatte und was ich versäumt
hatte, während ich hier gelegen hatte.
Die Mannschaft hatte sich dem Dämon gestellt und Hägar war
es, der den Einfall hatte den Zahn der Seeschlange gegen dieses Monstrum
einzusetzen, da jede Waffe vom Dämon zerstört wurde. Hägar sprang mit dem Zahn
voran auf den Kopf des Dämons um ihn mit seinem Körpergewicht in dieses Vieh
hineinzurammen. Er schaffte es auch dem Spinnendämon eine schwere Wunde zu
zufügen wurde dann aber abgeschüttelt und verschwand unter dem Dämon aus den
Augen der Mannschaft und mit ihm leider auch die einzige Waffe, die Schaden
anrichten konnte. In diesem Moment erschien Beorn und sein erster Maat mit einer
Speer dessen Spitze ebenfalls aus dem Zahn einer Seeschlange gemacht worden war.
Nach einer kurzer Zeit dem gemeinsamen Kampfes wurde der Maat von einer Art
Lichtblitz vom Dämon getroffen und löste sich in Staub auf. Beorn kämpfte noch
ein paar Augenblicke weiter übergab dann aber den Speer an Phileasson und sagte,
er müsste jetzt gehen, es wäre alles erledigt. Phil kämpfte mit dem Speer weiter
und sie schafften es schließlich diese Monstrosität wieder dahin zu schicken, wo
sie hergekommen war. Leider wurde Raluff kurz vor Ende des Kampfes von dem Dämon
erwischt und fiel sofort zu Boden, vielleicht war das der letzte Tropfen den
unser Kapitän gebraucht hatte um den Dämon den Todesstoß zu geben.
Der Moha erkannte an meinem Blick meine nächste Frage und
sagte mir gleich, dass es Raluff den Umständen entsprechend gut gehen würde. Er
hätte sich von der Wunde erholt, aber er wäre nervlich noch etwas angeschlagen,
was man ihm ja aber nicht verdenken konnte, denn man stirbt ja schließlich nicht
alle Tage und steht dann wieder auf, als wäre nichts gewesen, scherzte er mit
mir und zwinkerte mir zu. Raluff sei fast die ganze Zeit an meiner Seite
geblieben und hätte über mich gewacht und für mich gebetet, doch er würde jetzt
an Deck gebraucht werden, denn wir mussten die Elfen-Galeasse seetüchtig machen.
Ich schaute mich verwundert um und erkannte erst jetzt dass
ich mich immer noch an Bord des Schiffes befand, auf dem wir gekämpft hatten.
Die Verzierungen und Schnitzereien waren eindeutig hochelfisch und das leichte
Schaukeln sagte mir, dass wir nicht mehr auf der Insel festliegen würden sondern
auf dem offenen Meer waren. Die Tanginsel hatte sich nach der Vernichtung des
Dämonen aufgelöst und es war ein Unwetter aufgezogen, so schnell und so heftig,
dass es von Efferd persönlich geschickt worden sein musste um diese grüne Hölle
zu zerstören. Die Mannschaft hatte es geschafft ein paar Segel zu setzen und
zwei Löcher im Bug zu schließen und sei dann mit fliegenden Fahnen dem Sturm
entkommen. Von Vespertilio war keine Spur mehr zu sehen und auch die
Lederschwingen waren plötzlich verschwunden. Das Ganze ging nicht mit rechten
Dingen zu.
Doch ich sah ihm an, dass es noch mehr gab und er versuchte
dem Gespräch auszuweichen gab aber dann irgendwann auf und erzählte was sich
unter Deck zugetragen hatte. Hägar hatte sein Bewusstsein teilweise wieder
erlangt und hatte gesehen wie Vermis mit dem Kelch in den Händen aus dem Raum
mit mir kam, er musste es gewesen sein, der mir diesen Zauber verpasst hatte. Im
Laderaum zeigte er den Kelch dann freudestrahlend der Travia Geweihten von Beorn.
Diese zog jedoch mit einer fließenden Bewegung ein Schwert unter dem Umhang
hervor und stieß es dem überraschten Magier in die Brust und riss ihm den Kelch
aus den Händen. Hägar wollte seinen Augen nicht trauen und dann kreuzte die
Geweihte ihre Arme vor der Brust und verschwand direkt vor seinen Augen.
Ich glaube mir sind noch nie so die Gesichtzüge entglitten
bei der Schilderung des Mohas und in mir stieg unbändiger Hass und Wut auf. Was
für ein Spiel trieb Beorn. Er beschwor Dämonen, seine Geweihte – wenn so eine
Mörderin überhaupt eine Geweihte sein konnte – töte in hinterhältiger Art und
Weise und verfügte über Magie ! Ich raffte mich auf und schlüpfte nur in meine
Hose, hier auf der See brauchte ich nicht mehr und ich war froh über jedes
bisschen Kleidung und Ausrüstung was ich nicht tragen musste. Ich spürte in mir
eine Schwäche wie ich sie noch nie zuvor gekannt hatte. Ein Teil von Madas
Geschenk hatte meinen Körper für immer verlassen und diese Lücke würde sich nie
wieder schließen.
An Deck kam mir als erstes Raluff entgegen gerannt und viel
mir um den Hals. Im nächsten Moment war ihm das aber schon wieder unangenehm und
er stammelte nur ein Dank heraus. Bevor die anderen in Hörweite kamen sagte ich
ihm, dass er mir im nächsten Hafen ein Bier schulden würde und damit wäre die
Sache dann erledigt. Er war nun mal kein Mann von großen Worten und das schätze
ich so sehr an ihm. Alle waren froh, dass ihr Magier wieder aufgewacht war und
redeten auf einmal auf mich ein und erzählten mir alles was sie erlebt hatten.
Shanja schien eine weitere Prophezeiung gehabt zu haben die ihr sagte, dass man
uns im Praiostempel zu Kunchom erwarten würde, Katalina hatte ein Schleppnetz
gebastelt und so die Nahrungsversorgung der Mannschaft sicher gestellt, Shanja
hatte mittels eines Wunders Regen beschworen und dieser wurde in zahlreichen
Behältern aufgefangen um auch Trinkwasser zu erhalten. Ich glaube keiner hatte
darüber nachgedacht, das aus der neutralen Beobachterin spätestens mit diesem
Eingreifen ein Mitglied des Teams geworden war. Ich denke das die groben
Regelverstöße und der Mord der anderen Geweihten Shanja dazu getrieben haben
jetzt auch in das Geschehen einzugreifen allerdings immer unter Beachtung der
göttlichen Vorgaben und der sonstigen Spielregeln.
Die paar Tage auf See taten mir gut
und ich verbrachte viel Zeit damit innerlich wieder zur Ruhe zu kehren und meine
Gefühle unter Kontrolle zu bringen. Der Verlust des Kelches hatte mich sehr
getroffen und ich hatte das Gefühl auf ganzer Linie versagt zu haben, auf der
anderen Seite war ich froh zu sehen dass Raluff sich scheinbar wirklich bester
Gesundheit erfreute und dann schmerzte wieder der teilweise Verlust meiner
Kraft, Angst kam auf ob ich ohne ihn meine Reise zu Ende bringen könnte und
meine gesteckten Ziele verwirklichen konnte, Selflanatil wieder in die
Stadt Ti'Shiana zu bringen um meinen Schwur gegenüber meinem ständigen Begleiter
zu erfüllen und auch meinen Freunden bis zum Ende beistehen zu können und
schützend meine Hand über sie zu legen wie ich es damals im Tempel zu Thorwal
geschworen habe als wir die Reise angetreten waren.
Als wir den Kunchomer Hafen anliefen war das Erstaunen der
anderen Kapitäne, der Seesöldner, des Hafenmeisters, eigentlich jeder Person die
uns mit unserem Schiff einlaufen sah enorm. Noch bevor Phil seinen Fuß auf dem
Land hatte wurden ihm schon Gebote für das Schiff zugerufen und die Summen waren
wirklich astronomisch. Wir entschieden daher ein paar Seesöldner anzuwerben, die
dafür sorgen sollten, dass niemand außer uns das Schiff betreten durfte. Erst
danach schoben wir uns durch die Menschenmenge und suchten die Stadt auf. Wir
wollten erst einmal ein Bad nehmen, etwas vernünftiges Essen und ein oder zwei
Bierchen trinken. Danach wollten wir den Praiostempel aufsuchen. Wir konnten
dort ja schließlich nicht einfallen wie ein Haufen dreckiger Barbaren.
Nach herrlichen Bad und dem Essen auf der abendlichen
Terrasse unseres Gasthofes machten wir uns auf den Weg zum Praiostempel. Der
Tempel schien einer der schönsten des Herren Praios zu sein und selbst ich war
ein wenig ergriffen von der Gestaltung und dem Bau. Da die Sonne bereits
untergegangen war, bedurfte es einer kleinen Fürsprache durch Shanja bei den
Tempelwachen uns zu dieser Stunde noch einzulassen. Der Novize wollte den
Tempelvorsteher holen damit Shanja mit ihm reden konnte. Als wir alleine in dem
Raum waren kam plötzlich Wind auf in dem geschlossenen Heiligtum, es wurde
spürbar wärmer, so dass uns allen der Schweiß aus den Poren trat. Mit einem
Schlag brannten alle Kerzen vorne beim Altar und zu Füssen der Praiosstatur lag
auf einmal eine Tafel aus bräunlichem Stein, der dampfte, als käme er gerade aus
einem Brennofen. Auf ihm fanden wir den nächsten Hinweis:
Findet den, der sprechet wahr
im Basar der Stadt Fasar.
Erfüllt des Träumers Visionen
und er wird euch sicher führen,
lebendigen Stein zu berühren,
tief im Sande der Äonen.
Kaum hatten wir den Text abgeschrieben, tauchte der Novize
mit dem Geweihten auf und es herrschte helle Aufregung über die Tafel. Als wir
erzählten wie sie aufgetaucht ist wurden Wunder gepriesen und man fing an über
die Tafel zu beratschlagen ob man sie nicht hier liegen lassen müsste, denn
Praios selbst schien sie dort abgelegt zu haben. Na super, dachte ich mir, dass
würde bedeuten Beorn würde den Hinweis auch sofort haben, aber so einfach wollte
ich es ihm nicht machen. Ich trat hinter einen der Novizen und flüsterte leise,
das man diese heilige Tafel lieber vor dem Zugriff Fremder verbergen und
verließen sollte, bis man das Rätsel gelöst hätte. Und wie so oft plappern junge
aufstrebende Leute alles nach um sich ihre ersten Sporen zu verdienen. So auch
dieser Novize und sein Vorschlag fand gehör. Man legte die Tafel auf eine kleine
goldene Sänfte und sie verschwand im Heiligtum des Tempels. Wir wurden nach
einigen Segnungen und wohlgemeinten Ratschlägen hinauseskortiert, man müsste
sich schließlich mit dem eben erlebten Wunder beschäftigen.
Wir hatten unser nächstes Ziel vor Augen aber die heutige
Nacht würden wir noch ein wenig Kunchom unsicher machen. Phil gab jedem ein paar
Münzen aus der Reisekasse, denn meine Kleidung bedurfte mal einer dringenden
Überholung. Die Kämpfe und die lange Reise hatten von meinem Umhang nicht mehr
viel übrig gelassen und auch wenn ich keinen Wert darauf legte wie die
Gildenmagier in edelsten Stoffen herumzureisen und mich in so eine lächerliche
Robe zu zwängen, so wollte ich doch schon zeigen zu welchem Schlag Thorwaler
gehörte und unter welcher Flagge ich segelte. Ich hatte beim Bad in der Therme
eine wunderbare Idee und suchte daher einen Schneider auf. Zwar war die
Verständigung schwierig, da ich kein Wort des Tulamidischen Sprach, aber mit
Hilfe des Sohnes vom Schneider klappte es dann einiger maßen. So einigen wir uns
darauf, dass er mir bis zum Sonnenaufgang am nächsten Morgen eine Umhang machen
würde aus blauem wehendem Taft und mit goldenen Stickereien die den Rücken und
zieren sollten und sich in das Muster einfügen würden.
Ich wählte dazu drei Sprüche in Alt-Isdira:
Dem wahren König der
Meere den Weg zum Sieg bereiten.
Auf das die
Freundschaft den Tod überwindet.
Selflanatil –
Schlüssel zweier Welten, Völker, Generationen, Freunden und Seelen
Danach half ich Katalina und Hägar bei der Suche nach ihrem
Versklaver, der sie vor knapp 2 Jahren so hinter das Licht geführt hatte und der
Schuld daran war, dass sie für einige Zeit in der Sklaverei leben mussten.
Immerhin hatte ich die beiden und auch Phileasson erst durch diesen Umstand
kennen gelernt als wir auf gemeinsamen Rachefeldzug waren und sie mich als
Söldner angeheuert hatten. Leider hatten wir kein Glück, in den Schänken wurden
wir nicht fündig, aber ich hatte noch eine Idee, ich gab dem Wirt in der
schmierigsten Taverne ein paar Silberstücke und sagte ihm, ich bräuchte jemanden
der mich bei Sonnenaufgang aus der Stadt bringen würde und der keine Fragen
stellen würde. Ich hatte die Hoffnung, dass gerade diese drei Herren von damals
leichte Beute erhofften. Danach ging ich Richtung Taverne während Hägar noch zu
einem befreundeten Waffenhändler wollte um sich eine neue Axt zu kaufen. Seine
Streitaxt hatte seit dem Kampf mit dem Dämon ein großes Loch im Blatt und war
daher nicht mehr zu gebrauchen.
Am nächsten Morgen trafen wir uns vor dem Sonnenaufgang
unten zum Frühstücken. Phil erzählte, er hätte am Abend noch 10 Kamele gekauft
und hätte außerdem ein Angebot einer Handelskarawane für 10 Gold pro Kopf als
Begleitschutz nach Fasar mit zu reiten, was ja so oder so unser Ziel gewesen
wäre. Das Gold für die Tiere hatte er durch einen wahnsinnigen Handel mit dem
Stoerrebrandt Kontor erzielt. Er hatte ihnen die Elfen-Galeasse als Pfand
hinterlegt und hatte ihnen diese zu einem Vorzugspreis versprochen, wenn wir sie
innerhalb 4 Monate nicht abholen würden bzw. wenn wir für das Schiff keine
Verwendung mehr hätten. Im Gegenzug würde das Kontor dafür sorgen das niemand –
wirklich niemand – einen Fuß auf das Schiff setzt. Der Handel war einfach und
für beide Seiten mehr als fair.
Ich holte bei der Schneiderei mein Cape ab und war von dem
Werk des Meisters begeistert. Er hatte über Nacht ein wahres Kunstwerk geliefert
und auch der gestickte Schriftzug war gestochen scharf und für Wissende gut zu
lesen. Danach ging es zum vereinbarten Treffpunkt mit dem Tavernenbesitzer und
hoffentlich auch mit den drei Sklavenfängern, Hägar und Katalina waren in bester
Stimmung und auch ich freute mich auf eine schöne Prügelei am Morgen. Doch
leider war unser Plan ins Wasser gefallen, der Wirt hatte zwar jemanden
aufgetrieben der uns aus der Stadt bringen wollte, aber das war jemand anderes.
Wir sagten dem Wirt, dass wir doch kein Interesse mehr hätten und ließen ihn
stehen. Kaum hatte ich mich umgedreht fluchte er und nannten uns Ungläubige. Das
war zur falschen Zeit das falsche Wort und ich drehte mich auf der Stelle um und
meine Faust traf ihn überraschend mit so einer Härte, das er sofort zu Boden
ging. Damit war das Thema für mich erledigt. Hägar schnitt ihm noch die
Geldkatze ab und warf sie im hohen Bogen ins Hafenbecken. Anschließend trafen
wir uns mit dem Rest der Gruppe und den Kamelen bei der Karawanserei unseres
Auftraggebers.
Innerhalb mehrerer Tage ritten wir entlang der Wüste nach
Fasar und mich erfasst das merkwürdige Gefühl daheim zu sein, obwohl ich diesen
Ort noch nie gesehen hatte und an den Grenzen des ewigen Eises mein zu Hause
hatte und doch kam es mir hier sehr vertraut vor und während ich über die Klinge
Selflanatil strich wusste ich warum. In dieser Wüste lag die alte Elfenstadt
Ti'Shiana. Dahin würde mich mein Weg führen und es würde mich nicht einmal
wundern wenn es sogar schon der nächste Reisepunkt auf unserer gemeinsamen Route
sein würde. Das würde wieder rum bedeuten, eine andere gemeinsame Reise würde
bald ihr Ende finden, denn dann wäre der Schwur erfüllt den ich in Valussa gab.
So sehr ich auch erleichtert war meinem Ziel so nah gekommen zu sein, so sehr
machte mir das Erreichen des selbigen auch Angst. Ich dachte in diesen Tagen
viel nach und versuchte meine Aufzeichnungen auf den aktuellen Stand zu bringen
um mich ein wenig von den Gedanken abzulenken, doch jetzt da ich dieses hier
schreibe, muss ich feststellen, dass es scheinbar nicht funktioniert hat.
Die Stadt Fasar war eine Stadt der Gegensätze und Wunder
gab es hier scheinbar an jeder Ecke. So ragten weit über die Stadt zahlreiche
Türme, die in Schwindel erregender Höhe miteinander durch Brücken verbunden
waren. Der Magierturm der Stadt war wohl mit Abstand das verrückteste Bauwerk,
war er doch an der untersten Stelle am schmalsten und wurde nach oben hin immer
breiter. Wir bekamen von dem Karawanenführer die versprochenen 10 Gold pro Kopf,
die sofort wieder in Phils Reisekasse wanderten. Danach suchten wir erst einmal
nach einer Unterbringung für unsere Kamele und machten uns dann auf die Stadt zu
erkunden.
Auf zum Pferderennen
Eigentlich dachte ich die chaotischen Zustände in Kunchom
wären nicht mehr zu überbieten gewesen, aber hier hatte man mitten auf eine
breite Straße Häuser gesetzt, so dass die Straße in enge Gassen verwandelt
wurde, um das Haus herum lief und dann wieder breit genug war um 5 Ochsenkarren
nebeneinander laufen zu lassen. Die Besitzer der Türme hatten scheinbar jeder
eine kleine Privatarmee, die sich in den schillernsten Farben präsentierte und
manche Kombinationen wirkten echt lächerlich.
Auf dem Basar versuchten wir einen Wahrsager ausfindig zu
machen, da wir dies für eine der Deutungsmöglichkeiten hielten. Aber scheinbar
war diese Stadt die Heimat aller Wahrsager, Wegdeuter und Scharlatane, doch ein
Name viel des öfteren: Yusuff, ein Wahrsager den wir auf einem belebten Platz
mit einem gelben Zelt finden würden, er sollte wirklich das zweite Gesicht haben
und schon so manches Schicksal vorausgesagt zu haben. Also machten wir uns auf
die Suche nach ihm und wurden nach einigen Verirrungen in der Stadt auch fündig.
Wie sich leider herausstellte, sprach Yusuff nur Tulamidia und Katalina hatte so
eine Menge zu tun, da sie als einziges mehr konnte in dieser Sprache als ein
Bier zu bestellen. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen und sprach
heimlich einen Odem auf den Knochenwerfer und konnte eine – wenn auch sehr
schwach ausgeprägte – magische Aura wahrnehmen. Sollten es uns die Götter so
einfach gemacht haben, ich war misstrauisch, genauso wie der Moha der die
Knochenwerferei des Wahrsagers als stümperhafte Kopie abtat. Wir stellten dem
Seher verschiedene Fragen, doch leider waren seine Antworten sehr lückenhaft und
konnten uns keine wichtigen Erkenntnisse bringen, einzig das er nicht der Führer
sein wird, den wir brauchen. Dieser Führer würde alt in Jahren und im Geiste
sein und mit vielen sprechen.
Ich wollte mich mit diesen Antworten nicht zu frieden geben
und bat Katalina ihn zu fragen, wer ich sei. Wenn er wirklich eine Gabe hätte
würde er erkennen, dass meine Aura durch meinen ständigen Begleiter abweichend
sein würde. Er legte sein Kartendeck einmal, schaute mich mit verwunderten Augen
an und legte es erneute und schüttelte verwirrt den Kopf und sagte, dass im das
noch nie passiert sei, aber er könnte mir nichts sagen, da ihm die Karten keine
Antwort geben würden. Hägar war der nächste der diese Frage stellte, jetzt
wollten wir wissen, was der Kerl auf dem Kasten hatte. Bei Hägar gab es schnell
eine Antwort, er sei ein Krieger der schon viele Schlachten geschlagen hätte und
den man bald in Versuchung führen würde. Doch er würde an dieser Versuchung
wachsen. Außerdem sei er kein Mann des Geistes – was Katalina mit einem Grinsen
übersetze und was zu Lachanfällen unserer Gruppe führte – der dadurch aber auch
schwer zu brechen sei. Für Katalina sagten ihm die Karten, dass sie eine
Kriegerin aus einer anderen Welt sei, die nicht so ungestüm aber auch nicht so
entschlossen sei wie Hägar. Aus sie werde ihren Meister noch finden, doch nicht
in dieser Welt, denn er lebt nicht, aber er würde sie vieles lehren. Damit
hatten wir genug von dem Wahrsager, wir gaben ihm paar Münzen und hofften sein
Hinweis auf unseren Führer würde uns weiter bringen.
Daher suchten wir die Stadt ab und wurden bei viel zu
vielen Rednersteinern fündig. So trafen wir zum Beispiel auf den Prediger
Beringar, der ständig von der blauen Rose predigte, seiner Lieblingskneipe und
dem das Publikum Begriffe zuwarf die
dann wie durch ein Wunder ihren Platz in der wahren Geschichte fanden, er
schaffte es sogar Danjuk und thorwaler Stampfkartoffelsuppe in seine Geschichte
einzubauen. So unterhaltsam er auch war, er sprach auf keinen Fall wahr, sondern
er wirr. Ein weiterer Publikumsmagnet war Jojosar der von einem Herrscher der
Herrscher sprach, der aus dem Osten kommen würde und die Dekadenz dieser Stadt
beenden würde und auch den Herrschern hier und jetzt das Handwerk legen würde.
Das er überhaupt noch reden konnte war für mich ein Wunder, denn mit so einer
Hetzrede gegen die Obrigkeit wird man hier bestimmt nicht alt. Armedes predigte
dass sich die Novadistämme vereinen müssten um der dunklen Bedrohung aus Al'Anfa
entgegen zutreten, denn nur gemeinsam könnte man dem bald kommenden Ansturm
etwas entgegen setzen. Sehr interessant war Sila, ein Frau in den besten Jahren,
die über ihren Augen eine blutige Augenbinde trug. Sie hatte ihr Augenlicht
geopfert um die Stadt zu betreten wo Milch und Honig fließen würden und sie
würde dorthin wieder aufbrechen, wenn genügend Menschen ihr folgen würden. Ihr
Anhängerschar war unübersehbar, denn sie alle hatten sich die Augen
ausgestochen, ausgebrannt oder anderweitig zerstört, denn dies wäre der Preis um
die gelobte Stadt zu betreten. Für ein paar Minuten dachte ich wir hätten in
Sila unsere Führerin gefunden, doch konnten die Götter wollen, dass sich
Menschen so grausam verstümmelten ? Nein, dass wollte ich nicht glauben und
gegen sie sprach auch, dass uns Yusuff von einem Mann berichtet hatte.
Da es mittlerweile schon Abend geworden war verließen wir
die Stadt und suchten uns einen ruhigen Ort außerhalb der engen Gassen und der
vielen Menschen. Da es um diese Jahreszeit auch nachts nicht so kühl hier zu
werden schien, beschlossen wir bei einer kleinen Felsengruppe zu schlafen.
Während der Nachtwache hatte ich mit Katalina ein langes Gespräch, nach der
Aussage des Kartenlegers schien sie scheinbar anzufangen zu glauben, dass mich
der Geist immer noch begleitete, was gerade sie am meisten immer abgetan hatte.
Ich erzählte ihr auch, dass wir bald in der Elfenstadt Ti'Shiana sein würden,
dass ich es spüren könnte. Doch das war wieder zuviel Unerklärliches für sie,
denn sie tat das ganze als Spinnerei ab und legte sich danach gleich schlafen.
Zur dritten Wache weckte ich den Moha und er erzählte mir, dass in dieser Stadt
unzählige Geister sein würden, von verschiedensten Wesen und aus unzähligen
Epochen. Diese Stadt sei auf alten Ruinen aufgebaut worden, die ihrerseits auf
Ruinen standen, die auf einer alten echsischen Kultstätte errichtet worden wären
und so weiter. Er war während des Rundganges permanent dabei gewesen um einen
Kontakt mit diesen Geistern zu vermeiden und war sichtlich erschöpft. Daher
entschlossen wir, dass er außerhalb der Stadt auf uns warten würde, damit er zur
Ruhe kommen könnte.
Am nächsten Morgen wollten wir uns auf wieder auf die Suche
machen, nach der Person, die unser Führer sein sollte. Hägar hatte die Idee,
dass wir selbst von so einem Redner Stein herunter predigen und versuchen so
Hinweise auf denjenigen zu bekommen. Das wäre eine Aufgabe für Katalina gewesen,
doch ihr Stolz war mal wieder unserem Plan im Wege. Es kam wie es kommen musste,
es gab einen riesigen Streit, der diesmal hauptsächlich zwischen Hägar und
Katalina ausgetragen wurde und damit endete, dass sich Hägar in einer Taverne
voll laufen lies und Katalina alleine mit Raluff los zog, was auch Sinn machte,
da niemand von uns sich hier verständigen konnte außer ihr. Ich glaube ich werde
bis zum Ende unserer Reise nicht aus ihr schlau werden und ich bin froh, wenn
sich unsere Wege wieder trennen. Diese Frau ist einfach unberechenbar. Mal hat
man das Gefühl in ihr eine verständnisvolle Gefährten – ja sogar Freundin zu
haben – und im nächsten Moment möchte man ihr wegen ihrer Art nur noch eine vor
den Latz hauen. Mögen die Götter keine Aufgabe uns auf den Weg geben in der wir
das Denken dieser Frau verstehen müssen, denn diese Aufgabe würden wir nicht
schaffen.
Ich zog mit Ohm Richtung Wahrsager Platz, in so einer Stadt
umher zu laufen und jemanden zu suchen war genauso Erfolg versprechen, wie an
einer anderen Stelle einfach auf ihn zu warten. Vielleicht sind die Götter ja
gnädig mit mir, dachte ich, und lassen mich den Führer treffen und ihn auch noch
unsere Sprache sprechen. Auf dem Platz angekommen schauten wir uns eine Weile um
und entdeckten dann einen älteren Mann in ehemals edler Gewandung, die aber
schon wesentlich bessere Zeiten gesehen hatte. Er sprach zu einer Gruppe die
wohl zu den Ärmsten der Stadt gehörten. Ich konnte seine Worte nicht verstehen,
aber seine Ausstrahlung faszinierte mich. Ich beobachtete ihn noch eine Weile
und kaufte dann eine Mahlzeit für seine Zuhörer und stellte diese vor sie und
setzte mich zu ihnen. Er bedankte sich für das Geschenk erst auf Tulamidia und
zu meinem Glück auch in Garethi, ich konnte also mit ihm ein Gespräch anfangen.
Es war schon merkwürdig einen fremden zu fragen ob er eine
Vision hat, die sich noch nicht erfüllt hat, aber die vielleicht kurz davor ist,
wahr zu werden. Ben Aram – so hieß der Mann – nahm es aber ganz normal auf und
sagte, wir hätten ihm wohl schon länger zu gehört. Ich erklärte ihm, dass ich
von dem Gesprochenen vorher kein Wort verstanden hätte, aber ich das Gefühl
gehabt habe, dass er unser Führer wäre und wir ihm bei seiner Aufgabe dafür
helfen würden. Ohm lief los um die anderen zu holen, während ich mit ihm und
seinen Zuhörern speiste.
Als wir alle vollständig versammelt waren erzählte Ben von
seiner Vision. Für jeden der die Machenschaften Al'Anfas ein wenig kannte, der
wusste dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis das schwarze Reich einen
Angriff auf die Städte der Tulamiden und Novadis starten würde.
Selbstverständlich würde dann auch Fasar dazu gehören und da Fasar keine
Stadtmauer hat und dadurch sehr schwer zu verteidigen wäre, würde es viel
unnötiges Blut vergießen geben. Viel schlimmer für Ben aber war die Vorstellung
was nach dem Krieg kommen würde, denn dann würde das System der Sklaverei auch
in Fasar Fuß fassen und es wären wieder einmal die Ärmsten der Stadt die dieses
Los zu ertragen hätten. Sein Traum war es mit einer Karawane Richtung Loch
Harodrol auf zu brechen und dort ein neues Heim für die Ärmsten dieser Stadt
aufbauen. Er hätte sogar schon das meiste finanziell geregelt, nur würden ihm
die obersten der Stadt ständig Steine in den Weg werfen und er würde keine
weiteren Kamele kaufen können, die er dringend für den Transport von Wasser und
Lebensmittel durch die Wüste braucht. Unsere 10 Kamele würden ihm eine große
Hilfe sein und wir könnten auch als Fremde sicherlich noch das eine oder andere
Kamel hier kaufen. Dann jedoch erzählte er uns von einem Pferderennen, das einer
der Erhabenen in drei Tagen ausrichten würde. Als Preis wären 20 Kamele
ausgeschrieben worden, was für Ben natürlich eine wahnsinnige Hilfe wäre. Wir
waren sofort von der Idee angetan, da er uns versprach Pferde zu besorgen, wenn
wir für ihn reiten würden. Aber auch wenn wir keinen Sieg mit nach Hause nehmen
würden, würde er am Tage nach diesem Rennen aufbrechen, da die Zeit einfach
drängte.
Wir bekamen von ihm die Pferde und Katalina und Hägar
wollten versuchen den Sieg zu erringen, während ich meine Aufgabe auf dem Rücken
des Tieres eigentlich dadrin sah andere Reiter aus dem Rennen zu katapultieren
wenn ich es schaffte unter die ersten drei zu kommen in meiner Runde. Als erstes
von uns musste Hägar in Rennen gehen und er legte einen Blitzstart hin, wie es
wohl keiner von uns für möglich gehalten hätte. Er hatte fast eine halbe Bahn
Vorsprung auf das Feld als er souverän den ersten Platz in der ersten Runde
holte und somit für den zweiten Tag qualifiziert war. Als zweites sollte ich
dann ins Rennen gehen und ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber ich
konnte mich in einem knappen Kopf an Kopf rennen gerade noch in die zweite Runde
rüber retten. Danach musste Katalina zeigen was sie konnte und so sehr sie sich
auch anstrengte ihre Konkurrenten zu überholen, sie hatte gegen die erfahrenen
Reiter keine Chance. Scheinbar waren die besten Reiter in ihrer Gruppe mit
gestartet und das Feld war einfach zu dicht vor der Zielgeraden, so dass sie
sich nicht mehr nach vorne durchschieben konnte und ständig blockiert wurde.
Leider schied sie daher schon am ersten Tag aus, was ihrer Laune nicht gerade zu
Gute kam und was mir persönlich für sie sehr Leid tat, denn es war einfach nur
Pech gewesen, doch das konnte sie nicht akzeptieren und würde an dem Ergebnis
auch nichts ändern.
Am zweiten Tag musste wieder Hägar als erstes Starten, wir
hatten Glück, bisher hatte man uns nie in die selbe Gruppe getan, so dass wir
uns gegenseitig nicht behinderten. Hägar legte einen fabelhaften Start hin und
war über die Hälfte des Rennens auch in Führung, doch dann schien sein Pferd
immer mehr an Kraft zu verlieren und das Feld rückte näher. Kurz vor dem Ziel
passierte einer nach dem anderen Hägar und er schaffte es nicht mehr unter die
ersten drei. Damit waren unsere Siegeschancen so gut wie immer Eimer, denn ich
machte mir keine großen Hoffnungen noch einen Sieg mit nach Hause zu tragen. Es
war immerhin erst das zweite mal in meinem Leben das ich auf einem Pferd saß. Es
kam wie es kommen musste, ich hatte einige Reiter in meiner Gruppe die Katalina
das Leben schon schwer gemacht hatten und die mich jetzt ganz alt aussehen
ließen. Selbst ein wenig unterstützende Magie in Form eines Attributos konnte
mir nicht helfen, ich musste einfach einsehen, ich hatte keine Chance gegen
diese Reiter. Aber einen Trumpf hatten wir noch im Ärmel.
Am dritten Tag war die Siegesfeier und am Abend gab es ein großes Fest.
Natürlich waren alle Reiter mit eingeladen und so schaffte ich es den Sieger des
Turniers kurz alleine zu erwischen und versuchte ihm mit Hilfe des Banbaladins
zu erklären, dass er doch auch mit der Hälfte der Kamele mehr als glücklich wäre
und wie nobel es doch wäre Ben Aram die andere Hälfte zu überlassen. Ich weiß
nicht ob mein Zauber gewirkt hat, denn gerade als ich ihn beendet hatte und der
Sieger antworten wollte, wurde er von einer jungen Frau auf die Tanzfläche
gezogen und verschwand aus meinem Blick. |