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Auf der
Spur des WolfesGruppe:
Oldi Gruppe
Tagebuch von Rune
Die neue Aufgabe
Auf den letzten Schritten
nach Festum fing um uns herum an die Luft zu heulen wie vor einem gewaltigen
Sturm. Doch der Sog und das Wehen blieb aus, es dröhnte uns aber so sehr in den
Ohren, das wir uns nur mühsam durch Brüllen verständigen konnten, als aus dem
Nichts sich unsere nächste Aufgabe offenbarte, denn eine gewaltige Stimme
erklang in dem Orkan
In der Stadt in der
Ingrimm Efferd trotzt, konnten selbst die Stürme der Zeit die Spur des
Steppenwolfes nicht löschen. Zerreißt den Schleier der Vergangenheit und ihr
werdet die silberne Flamme finden, sie ist der eine Schlüssel zu Orima, der ihr
dereinst begegnen werdet.
So schnell wie das Heulen
des Sturmes gekommen war, so schnell war es auch wieder verschwunden.
Erstaunlicher war allerdings, dass scheinbar nur wir davon etwas gehört hatten
denn die Nivesen fragten uns warum wir uns plötzlich so angebrüllt hatten.
Wir waren froh, dass wir
eine neue Aufgabe erhalten hatten, deuteten wir es doch so, dass wir die
vorhergehenden erfüllt hatten. Natürlich warf der neue Spruch viele neue Fragen auf
und wir wollten versuchen in Festum darauf einige Antworten zu finden.
In der Stadt angekommen
verkaufte Nirka die Tiere und zahlte an Phileasson 10% der Summe, es waren knapp
150 Dukaten aus. Dies war der Dank für die Hilfe beim Treck und für das Helfen
im Dorf. Wir verabschiedeten uns von den neu gewonnenen Freunden und zerstreuten
uns in der Stadt. Jeder suchte auf eigene Faust nach Hinweisen auf das Rätsel.
Am meisten Glück schien diesmal Katalina zu haben, da sie sich mit dem Geweihten
des Ingrimm Tempel unterhielt und er ihr von der Stadt Wallusa berichtete.
Sie erzählte uns am Abend
in der Taverne die Geschichte wie folgt: In der Gegend von Vallusa lebten einige
dunkelhäutige Menschen die man die Molochen nannte und die wurden von den
ehemaligen Herrschern als Sklaven gehalten und für körperlich schwere Arbeiten
missbraucht. Darauf hin war Efferd so erzürnt, dass er Flutwellen gegen die
Stadt schickte und diese drohten die Stadt zu vernichten. 12 Zwerge nahmen den
Kampf gegen das Element Wasser auf und errichteten eine riesige Dammmauer die
bis heute das höchste Gebäude in der Stadt ist. Sollte jemals ein Gebäude höher
sein als der Damm würde er den Fluten nachgeben, doch bis heute hat es niemand
gewagt, das herauszufordern.
Somit hatten wir den
nächsten Anlaufpunkt gefunden und hofften dort alle weiteren Fragen klären zu
können. Spät am Abend brachte Ohm dann noch schlechte Nachrichten denn er hatte
beim Kartenspiel vom Besuch eines Thorwalers gehört mit Augenklappe und
geflügeltem Helm. Verdammt, es schien als ob Beorn uns sogar überholt hatte,
denn der war vor zwei Tagen Richtung Süden nach Vallusa aufgebrochen. Wir kippten
unser letztes Bier runter und eilten zum Hafen um eine schnellst mögliche Passage
nach Vallusa zu bekommen.
Der Schleier der Vergangenheit
Die Passage nach Valussa
war schnell organisiert und wir hatten sogar das Glück noch am Abend in See
stechen zu können. Es dauerte nur knapp anderthalb Tage bis wir von der Seeseite
auf diese einzigartige Stadt zu hielten. Unübersehbar war die große Dammmauer
der Zwerge auf deren höchster Punkt eine große Flamme den Schiffen sicheres
Geleit durch die tückischen Felsen vor der Stadt bot. Nach Norden und Süden
erstreckten sich zwei Brücken die von der Form und Länge her absolut identisch
war. Wir erfuhren später, dass man beide Brücken immer gleich gut in Schuss
hielt, da sonst die Befürworter sich entweder Tobrien oder dem Bornland
anzuschließen mit einer besseren Brücke wieder endlose Diskussionen von Zaun
brechen würden. So erhielt man den Status quo und Valussa seine Unabhängigkeit.
Natürlich führte uns
unser erster Weg direkt zu dem Ingrimm Heiligtum in dem Damm, da wir uns dort
die meisten Informationen erhofften. Auf dem Weg dorthin kamen wir am
Zwergenplatz beim Rathaus vorbei, wo zwei große Wolfsstaturen standen. Sollten
damit etwa die Steppenwölfe gemeint sein ? Nun ja, das wäre ein weiterer
Ansatzpunkt, wenn wir nicht beim Tempel weiterkommen würden. Beim Tempel konnten
wir leider nicht bis zur Flamme vordringen, aber der Geweihte am Eingang
versprach, dass er sich für uns um eine Audienz bemühen würde beim Abt des
Tempels. Wir sollten am Abend wieder kommen.
Da uns allen mittlerweile
der Magen bei den Kniekehlen hing und es sich so echt schwer arbeiten ließ,
machten wir uns auf eine der vielen Tavernen dieser sonderbaren Stadt zu
besuchen. Im Ratskeller erzählte uns die Wirtin auf nachfragen zu den Wölfen auf
dem Platz, dass dort ein Geist umgehen soll. Jahre lang hatte er geschlafen und
die Stadt nicht weiter heimgesucht, aber ein paar Fremde hatten ihn in seiner
Ruhe vor ein paar Tagen geweckt und seien danach aus der Stadt auch abgehauen.
Verdammt, das klang mal
wieder voll nach Beorn. Es schien wirklich so, als wenn er es geschafft hatte
und zu überholen. Aber dann kann er nie im Leben die selben Aufgaben gehabt
haben wie wir. Die Aufgabe mit den Rauhwölfen und dem Viehtreck waren
einzigartig gewesen und konnten nur von einem Team gelöst werden. Wenn er dafür
gleich die nächste Aufgabe bekommen hatte, so war es für uns jetzt echt sehr
schwer noch hinter ihm her zu kommen. Wir teilten uns auf uns Hägar, Katalina
und ich suchten im Stadtarchiv die alten Bücher durch um an weitere
Informationen ranzukommen. Scheinbar war auch hier Beorn schon gewesen und hatte
zusammen mit der Traviageweihten die Bücher studiert. Merkwürdig unsere Geweihte
Shanja verstand sich als unparteiische Schiedsrichterin und half bei der Suche
nach Hinweisen nie direkt mit. Begleitet wurde Beorn außerdem von ein paar
Nivesen, die in Thorwal auch nicht zu seiner Mannschaft gehört hatten. Wir
befürchteten, dass viele seiner Leute im Himmelsturm in die Ewigkeit eingegangen
waren und er sich nun eine neue Mannschaft zusammengestellt hatte.
Bei der Suche im Archiv
stießen wir auf einige interessante Fakten die mit der Geschichte der Wölfe
zusammen gehörten:
- Der Geist soll das
Opfer eines verlorenen Duells gegen einen berühmten Fechtmeister gewesen
sein, der hier in der Nähe eine Schule hatte.
- Der Fechtmeister war
ein ehemaliger Obrist der Kaiserlichen Armee aus dem Jahre 790 BF und hieß Erm
Sen.
- Scheinbar wurde Erm
Sen steht's von einem Wolf begleitet und war nivesischer Abstammung.
- In der Khom focht Erm
Sen gegen ein hoch gewachsenes und magiebegabtes Volk, es deutete vieles darauf
hin, dass es sich um Elfen handelte.
- Erm Sen erbeutete ein
besonderes Schwert und wurde darauf hin scheinbar bis hier her von den
Wüstenelfen gejagt, die ihm das Schwert wieder abnehmen wollten, doch alle
unterlagen ihm im Kampf und verwandelten sich nach dem tödlichen Treffer
sofort zu rotem Staub.
- Erm Sen hatte in
Ysilia eine Kampfschule gegründet, deren besonderer Angriff als Wolfsbiss
bezeichnet wurde.
- Erm Sen wurde wegen
Verstoß gegen das Duellverbot aus Valussa verwiesen
- Die Wüstenkrieger
wurden Beni Geraut Schie genannt.
- Die Fechtschule soll
in einem roten Turm – genannt der Blutturm – untergebracht sein.
Wir machten uns nach
stundenlangen Recherchen auf zum Ingrimmtempel und erhofften uns dort neue
Informationen. Der Abt gewährte uns nach einem Fürbitten durch Shanja den
Leuchtturm zu betreten. Die Aussicht von dort oben war wunderschön und die Flamme
hatte etwas wahnsinnig beruhigendes für mich. Sie erfühlte die Herzen mit Kraft
und Wärme obwohl es so dicht in ihrer Nähe nicht so heiß war wie es
normalerweise hätte sein müssen. Andächtig und nach einigem netten aber kurzem
Gespräch verließen wir den Abt.
Ich hatte tagsüber auf
dem Rücken des einen Wolfes eine Gravur gesehen und wollte mir diese nun
zusammen mit meinen Gefährten im Schutz der Dunkelheit genauer ansehen. Die
Angst der Leute vor dem Nebel der immer zusammen mit dem Geist auftauchte
wollten wir uns zu nutzen machen. Bisher hatte ich den Nebelzauber nur bei
Angriffen auf feindliche Schiffe genutzt, aber auch hier tat er gute Dienste.
Ich erzeugte ein loses Nebelfeld, das den Platz einhüllte und das alleine ließ
schon die Leute in Panik davon rennen. Ein dichteres Nebelfeld direkt um die
Staturen sollte uns die nötige Deckung zum untersuchen geben.
Ich kletterte auf den
Sockel des Wolfes und von dort aus auf den Rücken. Eingekratzt konnte ich einige
sehr alte Symbole entziffern, die dem Isdira ähnlich waren. Doch schien es sich
um eine wesentlich ältere Schreibweise zu handeln, als uns fern in Olport
beigebracht wurde. Mögen meine Lehrmeister mir die Fehler der groben Übersetzung
verzeihen, doch viele der Zeichen war bereits verwittert.
Mein Bruder wurde
getötet und ging nach Gontarin. Nun ist es an mir, die Schande zu tilgen. Ich
bin die Letzte und der Frevler sitzt im Blutturm. Ich werde sein Schicksal
besiegeln und Selflanatiel nach Tie Shiana zurückbringen.
Damit war für mich der
Beweis offenbar, dass wir es hier erneut mit einer Kultur der alten Elfen zu tun
hatten, erfuhren wir doch in der Globule während des Viehtreckes, dass Tie
Shiana eine der legendären Elfenstädte gewesen ist. Ich wollte gerade von dem
Sockel wieder unter klettern als ein Stöhnen und das Schleifen von Metall über
den Marktplatz zu uns kam. Katalinas Nerven schienen heute irgendwie nicht die
besten und sie schrie wie am Spieß und riss sich scheinbar auch nach einigem hin
und her von Hägar los, der sie noch versucht hatte fest zu halten und zu
beruhigen. Irgendwer oder irgendwas war da draußen in dem dichter gewordenen
Nebel. An einen Geist wollte ich nicht glauben uns so traten Hägar und ich
getrennt vor und sprachen das Wesen an. Ich versuchte es ausfindig zu machen,
doch leider ohne Erfolg. Erst als ich es aufforderte sich zu zeigen, konnte ich
die Umrisse einer hageren Gestalt mit zwei Schwertern im Nebel ausmachen. Zu
meinem Erstaunen war es wirklich ein Geist, der Geist des Duellanten. Er
erzählte uns, dass er der Wächter der silbernen Flamme war und nur mit ihr
erlöst werden konnte.
Unsere Spur war also
genau richtig. Die silberne Flamme wurde einst von dem Frevler Erm Sen geraubt
und er sei bei dem Versuch gestorben, diese wieder zu beschaffen. Die silberne
Flamme war das Schwert, dass Erm Sem seit seinem Khomfeldzug bei sich hatte. Ich
versprach dem Gefallenen, dass wir alles daran setzten würden, ihn von seinem
Leid zu erlösen. Hägar hörte – obwohl er nur wenige Meter neben mir stehen
musste – von meinem Gespräch mit dem Geist kein Wort. Wenn es in der Gegenwart
des toten Elfen nicht so kalt wie im ewigen Eis gewesen wäre, hätte ich das
ganze wahrscheinlich für einen schlechten Traum gehalten.
Wir versammelten uns alle
bei der Taverne wo wir uns Zimmer besorgten hatten. Wenn es nach mir gegangen
wäre, wären wir schon auf dem Weg nach Ysilia, aber Phileasson wollte unbedingt
noch bei den Adraniten nach schauen lassen ob wir dort Hinweise auf den Namen
Steppenwolf finden. Da wir um diese Zeit kaum dort auftauchen konnten und der
Magistrat durch den Lärm auf dem Marktplatz eh nicht zum Schlafen kommen würde,
beschlossen Katalina und ich uns im Archiv niederzulassen und die ganze Nacht
noch die dicken Wälzer nach Hinweisen abzusuchen.....leider mit wenig Erfolg.
Am nächsten Morgen ging
es dann völlig übermüdet zu den Adraniten und scheinbar hatte auch hier Beorn
sich mit Informationen eingedeckt. Der Akoluth konnte uns relativ schnell die
Auskünfte geben, die wir brauchten und so entdeckten wir das Erm Sen auch
Wolfritter oder Steppenwolf genannt wurde. Mit dem Wissen und einer kleinen
Pause für uns Nachteulen machten wir uns auf einen fünftägigen Ritt nach Ysilia.
Die Stadt sah aus als
hätten hier alle thorwalschen Ottas zusammen Polka getanzt. Die Stadttore
fehlten, die Mauern waren zum Teil eingestürzt. Es sah einfach verheerend aus.
Überall waren Handwerker dabei, die alten Gebäude wieder aufzubauen. Doch dieses
mal konnte man Beorn an den Umständen keine Schuld geben, da dieses immer noch
die Nachwirkungen vom Zug der 1000 Oger war, die durch das kleine Städtchen
gezogen waren und es dabei fast dem Erdboden glatt gemacht hatten. Travias
Gastfreundschaft hatten die Menschen durch den Krieg wohl vergessen oder
verdrängt, denn offene Feindseligkeit schlug uns entgegen und Phileasson hatte
große Mühen Hägar davon abzuhalten auf diese Feindseligkeiten thorwalsch zu
reagieren.
Wir fragten uns durch, wo
der Blutturm gestanden hatte und fanden diesen auch nach kurzer Zeit des
Suchens. Er war fast komplett eingestürzt und überall lagen nur Trümmer rum. Es
dauerte nicht lange und zwei Büttel der Stadtwache wollten sich mit uns anlegen
und uns sofort aus der Stadt werfen, da wir Thorwaler wären und es seit einigen
Tagen unserem Volk verboten sei die Stadt zu betreten. DAS war eindeutig Beorns
Handschrift. Der Büttel war ziemlich frech und ich hätte ihm am liebsten jeden
Zahn einzeln aus dem vorlauten Mundwerk geprügelt. Doch hatte Hägar eine
zerschlagende Steintafel entdeckt, die jemand vor kurzer Zeit erst – vielen dank
Beorn – zerschlagen hatte. Hier standen alle Lehrmeister der Akademie drauf und
wir erhofften uns daraus neue Informationen zu erhalten. Ich beeilte mich, die
Steine zusammenzusetzen und die Namen abzuschreiben.
Mittlerweile redeten
Phileasson und Katalina auf die Wache ein und bekamen die Infos, das Beorn wohl
den hiesigen Boronsanger geschändet hatte. Glaubt der Idiot wirklich, dass eine
zwölfgöttliche Aufgabe verlangt ein Grab zu plündern ? IDIOT ! Katalina folgte
den Wachen um sich wohl wegen der unmöglich Behandlung – sie faselte ständig
was von adliger Abstammung blabla bla – beschweren und konnte immerhin
erreichen, dass wir mit ein paar Aufpassern den Friedhof betreten konnten.
Wir entdeckten dort auch
zwei der drei Gründer der Schule, leider war das Grab von Erm Sen nicht dabei.
Dafür hatten wir ein echt angenehmes Gespräch mit dem hiesigen Boroni, der für
seinen Stand enorm gesprächig war. Ich erhielt die Erlaubnis nach dem Grab zu
suchen, dass scheinbar mit Magie entweiht worden war. Beorn hatte scheinbar mit
der Magierin versucht den Geist der Toten auftauchen zu lassen und in
Kreuzverhör zu nehmen. Wie kann man solch einen Frevel nur wagen, meine Meinung
von Beorn sank immer weiter. Ich entdeckte eine schwache Restspur eines
dämonisch angehauchten Zaubers, der aber scheinbar gescheitert war. Der Zauber
war über dem Grab des Mitbegründers Helge von Bram gesprochen worden und der
Boroni versprach das Grab noch am selben Tag neu einsegnen zu lassen.
Nunja, wir hatten keine
neuen Informationen erhalten, Beorns Vorsprung wuchs weiter, aber wir konnten
einem Toten seine Ruhe wieder geben und das Image von Thorwal wieder
einigermaßen hier herstellen. Insbesondere der Boroni war dankbar für meine
Hilfe und war sichtbar erleichtert, dass der frevlerische Zauber fehlgeschlagen
war. Wir erhielten lediglich den Hinweis dass wir uns sonst mal mit einem der
alten Geschichtenerzählern im Ort unterhalten sollten, vielleicht hätten die ein
paar brauchbare Informationen für uns.
Der Hinweis war Gold
wert. Wir trafen in der Kneipe auf Ultgulf, der nach ein paar Bieren sehr
redselig wurde und ich mit dem Schreiben der Informationen kaum hinterher kam.
Erm Sen wurde wohl seit dem Diebstahl der Himmelsflamme von zahlreichen
Wüstenkriegern zum Duell gefordert und gewann jedes von ihm. Nach dem letzten
Kampf zog er sich aus Ysilia zurück, da er befürchtete die Menschen die hier
lebten in Gefahr zu bringen, wenn er weiter bleiben würde. Er soll sich in die
Drachensteine zurückgezogen haben, ein Gebirge weiter im Norden von hier. Von
dort aus ist vor dreißig Jahren das Gerücht aufgekommen, das Erm Sen einen
Drachen getötet hat, der das Tal lange Zeit heimgesucht hat. Das würde
allerdings bedeuten, das Erm Sen jetzt über 300 Jahre alt sei. Etwas was mir
trotz all der Wunder auf unserer Reise bisher sehr schwer viel zu glauben.
Sein letztes Duell hat in
der Nähe der Stadt am Waldrand gehabt und er ist auch aus diesem Duell siegreich
hervorgegangen. Die silberne Flamme wird er also immer noch haben bzw. sie wird
an dem Ort sein, wo er seine letzte Ruhe gefunden hat – wenn wir von dieser
Geschichte vor 30 Jahren einmal absehen. Der Geschichtenerzähler empfahl uns den
alten Duellplatz im Wald mal aufzusuchen, da auch dort eine gefangene Seele sich
aufhalten soll. Wir würden den Platz daran erkennen, dass sich dort ein großer
Stein befindet.
Na gut, hier in der Stadt
kommen wir eh nicht weiter und mehr Infos haben wir nicht. Wir sind also erstmal
in den Wald rein, bis auf Eigor, der hat uns am Waldrand "Rückendeckung"
gegeben. Nach einer Weile hatte Raluf den Stein auch gefunden und Hägar hatte
ihn von Moos und anderen Verunreinigungen befreit. Er fand dann auch eine
weitere Inschrift:
Wanderer leg hier
nicht dein Haupt zur Ruh oder du machst für immer die Augen zu!
Na das war doch mal eine
nette Botschaft, leider schien da wirklich was dran zu sein, wie ich später am
eigenen Leib feststellen musste. Hägar und Katalina kippten den Stein zu Seite
um zu schauen ob da noch was drunter ist und auch damit hatten sie erfolg. Es
war dort ein Wolfskopf abgebildet und jemand – wahrscheinlich Erm Sen – hatte
sich viel Zeit genommen auch diesen Teil des Steines mit einer Nachricht zu
versehen:
Dies mal war es anders
als sonst. Es war als löste sich ein Schatten von ihr, als sie zu Staub zerfiel.
Welcher Fluch lastet auf mir ?Habe ich Schuld auf mich geladen ? Ich werde
dorthin ziehen, wo das geflügelte Grauen auf einem Berg von Gold thront und auf
mein Schicksal warten.
Während wir total
konzentriert auf die Schrift starten und auf die Dinge die in einer Kuhle da
drunter lagen, ein Armreif, ein paar Pfeilspitzen, ein verrosteter Säbel und ein
Haufen roter Asche, hörten wir aus Eigors Richtung ein merkwürdiges Geräusch und
das Licht seiner Fackel war erloschen. Wir stürmten zu ihm und fanden ihn
Kreidebleich am Boden liegen. Er zitterte vor Kälte und Schwäche und konnte sich
an nichts erinnern, was ihm passiert war.
Wir versuchten in
zahlreichen Sprachen und Formulierungen den Geist dazu zu bewegen sich uns zu
zeigen. Letztendlich war es mein dämlicher Vorschlag, der mich beinahe das Leben
kostete mich unter Bewachung der anderen hier zur Ruhe zu legen und zu hoffen,
das sich im Traum jemand zeigen würde. Geister sollen sich Träumenden ja öfters
nähren als den Wachen. Hägar weckte mich dann noch mal kurz und wollte auch noch
Nebel haben, da er dachte es würde dem Geist dann leichter fallen zu erscheinen.
Na gut, einmal Nebel für Hägar und ich legte mich wieder schlafen. Es dauerte
nicht lange und ich fiel in einen unruhigen Traum. Etwas war hier und machte
Jagd, Jagd auf alles Lebende ! Ich sah wie kleine Kinder im Wald spielten,
umfielen und starben. Ebenso Jäger, Bärensammler und Wanderer, sie alle starben
hier im Wald, genauso wie ich starb langsam....sehr langsam. Etwas zog mit Macht
an meinem Leben und ich konnte mich nicht wehren. Ich konnte nicht aufwachen.
Erst das Wachrütteln
durch Katalina riss mich zurück in die Wirklichkeit. Etwas hatte mir einen großen
Teil meiner Lebenskraft genommen und mir drehte sich der Magen um und ich musste
mich übergeben. Ich fühlte mich schwach, elendig schwach. Mit letzter Kraft zog
ich mich an Hägar hoch und wir wandten uns um zum gehen. Einen Blick warf ich
noch zurück und verfluchte das was auch immer dort war in allen mir bekannten
Sprachen und bei allem von dem ich hoffte das es stark genug war gegen so etwas
vorzugehen, bei allen mir bekannten Göttern, Elementen und alten Elfengöttern !
Vom Wegesrand aus warf
ich noch wütend meine brennende Fackel in den Wald und in dem Moment kam ein
lauter spitzer Schrei aus der Richtung des Steines gefolgt von dem Rollen des
Felsens wie er gegen Bäume schlug. Katalina, Hägar und ich rafften noch einmal
all unseren Mut zusammen und rannten zurück. Der Stein lag etliche Meter neben
der Lichtung, in der Kuhle war außer dem verrostetem Schwert nichts mehr zu
sehen.
Doch das schlimmste waren
die Kratzspuren an der Unterseite des Steines. Etwas war hier erwacht ! Etwas
hatte unsere Lebenskraft genutzt um selber zu erstarken, doch was genau es war
wusste ich nicht. Ich würde meine Kraft jetzt sammeln, da ich befürchtete bald
einen ernst zu nehmenden Gegner vor uns zu haben. Wir eilten nach Ysilia zurück
um umgehend mit den Pferden in die Drachensteine aufzubrechen, weit weg von
diesem unheiligen Ort.
Drachen, Wulfen und
Dämonen
Zwei Stunden ritten wir
noch in die Nacht hinein, Eigor und ich konnten uns kaum auf den Pferden halten
doch die Angst und der Schrecken halfen dabei die letzten Kräfte im Körper zu
mobilisieren und sich auf den Pferden festzuhalten. Nach zwei Stunden stoppte
Phileasson den Treck und wir hielten zwischen einigen Felsen an um zu
rasten, noch während er die Wachen einteilte legte Boron seinen Mantel des
Schlafes über mich und ich fiel in einen unruhigen Traum. Immer wieder sah ich
Ausschnitte aus dem Wald, wie Menschen starben, wie kleine Kinder getötet wurden
und jedes mal sah ich es aus meinen Augen, als würde ich diesen Frevel begehen.
Wen oder was hatte ich dort mit meiner Kraft erweckt, wer hat sich meine
Lebensquell zu nutze gemacht um selber wieder zum Leben zu erwachen. Ich träumte
von Vampiren, Ghulen, Zombies und anderen Monstrositäten. Sie alle schienen es
auf mich abgesehen zu haben um durch mich zu leben.
Die ersten Sonnenstrahlen
spielten um mein Gesicht und ich beschloss noch einen Augenblick liegen zu
bleiben, einfach den anbrechenden Tag zu genießen in der Gewissheit, dass die
Monster mich in dieser Nacht nicht geholt haben und ich am Leben war. Leise
drangen Stimmen an mein Ohr. Hägar, Katalina, Raluf und der Moha schienen sich
flüsternd zu unterhalten und das über mich. Naja, wer kann's ihnen verübeln nach
der Nacht. Ich bestimmt nicht. Scheinbar machte sich Hägar Gedanken darüber ob
ich verflucht oder besessen wäre. Wenn der Kerl nicht so kräftig zuhauen würde,
hätte ich ihn ausgelacht. Er hat von Magie echt keine Ahnung, aber immerhin
scheint er sich Sorgen um mich zu machen. Ich würde einfach versuchen ihm keinen
Anlass zu dieser Behauptung zu geben und versuchen meine Kopfschmerzen zu
überspielen, dann würde sich diese Idee bald zerschlagen. Ich regte mich langsam
auf meinem Lager und die Diskussion verstarb.
Beim gemeinsamen
Frühstück brachte Hägar die letzte Nacht im Wald als Thema auf den Tisch und ich
versuchte Ihnen meinen Eindruck zu vermitteln, dass es sich bei diesem – naja
nennen wir es mal Phänomen – höchstwahrscheinlich um einen Widergänger oder um
einen Vampir handelt, wobei ich eher von der ersten Variante ausgehen würde.
Natürlich war es schwer meinen Gefährten diese Behauptung zu erklären, da ihnen
dieser Begriff überhaupt nicht geläufig war und so kamen wir während des
Reiseanbruches auch von einem Extrem ins nächste. Die Definitionen von Zombies
und Skeletten, Widergängern und Vampiren führten dazu, dass sich einige
abergläubische Kameraden doch recht schnell von uns absetzten und lieber nicht
neben uns ritten.
Zwei Stunden brauchten
wir bis wir die Ausläufer der Drachensteine erreichten. Die Schlucht weckte in
uns irgendwie die Erinnerung an den versuchten Hinterhalt aus dem Goblinpass,
aber keiner von uns wollte sich von der Gruppe absetzen und so ritten wir
geschlossen und besonders aufmerksam gemeinsam weiter. Nur wenige Worte wurden
gewechselt und es wurden sogar noch weniger als der Nebel immer dichter wurde
und die Zinnen nicht mehr zu sehen waren. Mit einem Schlag war über uns ein
riesiger Schatten, der Schatten eines gigantischen Drachens mit einer Spannweite
von unglaublichen 70m. Aus dem Himmel dröhnte es "Wer wagt es Apeps Reich zu
begehen ?" und man merkte das selbst unserem sonst unerschrockenen
Anführer sogar der Atem stockte
und die Stimme nicht so wollte, wie er es wollte. Apep verlangte für jeden
Reisenden einen Wegzoll von 5 Dukaten und nach einem Odem in die Richtung des
Schattens musste ich Phileasson leider mitteilen, dass dort oben wirklich eine
magische Quelle von großer Kraft ist und dass es sich wohl nicht um einen Trick
handelte.
Wir hinterließen das
geforderte Gold bei einem Felsen und ritten weiter in Richtung der
Menschensiedlungen. Auf dem Weg gerieten wir aber doch in eine heftige
Diskussion wegen dem Wegzoll und insbesondere Eigor war mehr als sauer darüber
einen Drachen auch noch Gold in den Rachen zu werfen. Wenn Phileasson nicht
befohlen hätte weiter zu reiten, wären einige von uns – ich inklusive – noch
einmal umgedreht um der Sache auf den Grund zu gehen. So ganz lies mich das
Gefühl nicht los, dass uns irgendwer oder irgendwas ziemlich an der Nase
herumgeführt hatte. Aber der Kapitän hatte sich nun mal dagegen entschieden und
wir folgten ihm.
Wir kamen über eine Klamm
und konnten von dort in ein kleines Tal sehen, vier Siedlungen hatten sich hier
gebildet und boten jeweils Platz für 200 bis 500 Personen. Auffallend waren die
sehr eng aneinander gebauten Häuser und der hohe Turm in der Mitte jeder
Siedlung. Scheinbar eine strategische Bauweise wegen der Drachen die dem Gebirge
hier ihren Namen gegeben haben. Wir ritten ins Tal hinab und ich konnte am
Wegesrand ein paar bemalte Steine sehen, die einen Mann zwischen Wölfen zeigte.
Ich lächelt zufrieden, es schien, als wären wir auf der richtigen Spur. Etwas
nachdenklich stimmten mich die Bilder der Kreaturen neben den Wölfen, es war
eine Mischung aus Wolf und Mensch aber ich schrieb das der künstlerischen
Freiheit des Malers zu.
Als wir uns der ersten
Siedlung nährten sammelten sich die Einwohner schon vor den Häuser. Sie schienen
misstrauisch zu sein und hielten ohne aggressive Haltung ihre Sensen und anderen
Arbeitswerkzeuge in der Hand, mit denen man sich sicherlich auch einigermaßen
der eigenen Haut erwehren konnte. Doch Phileasson machte dem Bürgermeister Deren
schnell klar, dass wir in friedlicher Absicht unterwegs sind und als wir unsere
Geweihte Shanja vorstellten war jedes Misstrauen verflogen und wir wurden
herzlich willkommen geheißen und uns wurde ein Heuschober zum Schlafen
angeboten.
Am Abend versammelten
sich nahezu aller Bewohner des ersten Dorfes und auch zahlreiche Mitglieder der
anderen Dorfgemeinschaften wollten einen Blick auf die Besucher werfen. Wie es
schien bekam man hier nicht oft Fremde zu Gesicht und so mussten wir von der
Welt außerhalb der Drachensteine berichten und eine Geschichte nach dem anderen
erzählen. Ohm war natürlich voll in seinem Element, während Shanja der Trubel um
ihre Person doch etwas zu viel wurde. Sie sollte in den nächsten Tagen
zahlreiche Kinder segnen, Ehen schließen, Grabfrieden sprechen und auch sonst
angesammelte kirchliche Bürden übernehmen. In dem Moment habe ich sie wirklich
nicht um ihren Job beneidet.
Während des Gespräches
mit den Einwohnern konnten wir auch einige Fragen loswerden und bekamen meist
auch aufschlussreiche Antworten. Bei dem Drachen Apep handelt es sich wohl um so
etwas wie einen Rudelführer der Drachen, dem die Einwohner regelmäßig Opfer
brachten und der sie dafür in Ruhe ließ. Vor Apep war der Riesenlindwurm Jofune
hier der Anführer gewesen, doch der sei in einer Sturmesnacht vom Blitz
getroffen worden und abgestürzt. Die Knochen könnte man im Museum in Nissingen –
dem vierten Dorf – bewundern. Nahezu jeder erzählte uns, dass der eigene
Großvater diesen Blitz von Rondra gefordert hatte und schmückte sich mit den
Federn die Bestie erlegt zu haben. Beorn war scheinbar noch nicht hier gewesen
und wir konnten etwas durchatmen. Offenbar hatten wir wieder einen kleinen
Vorsprung. Als ich das Thema mal auf dieses bizarre Wolfsbild am Taleingang
bracht bin ich wohl in ein Fettnapf getreten, denn man versuchte ganz schnell
von dem Thema abzulenken und erklärte, dass es sich um Warntafeln vor Wölfen
handelte. Ich tat mal so als würde ich das akzeptieren und lies es erst mal auf
sich beruhen.
Der Bürgermeister schien
sichtlich erleichtert, dass wir nicht näher nachhakten und als man auf andere
Geschichten umgeschwenkt war und die Stimmung immer fröhlicher war und meine
Frage scheinbar vergessen war, suchte ich mir eine der jungen Damen vom Dorf und
setzte mich etwas abseits mit ihr. Ich erzählte stolz von unseren Abenteuern und
ließ keine der gefährlichen Situationen aus. Wie gebannt hing sie an meinen
Lippen und der billige Wein tat sein übriges und so löste sich langsam ihre
Zunge und ich konnte ein paar Informationen aus ihr herauslocken bevor sie vom
Alkohol einschlief.
Scheinbar gab es in
diesem Tal eine Rasse namens Wulfen. Sie schienen halb Mensch und halb Wolf zu
sein und würden besonders von den ältern Bewohnern sehr respektiert und man
würde ihnen Opfergaben bringen und dafür würden diese über das Tal wachen. Das
ganze schien aber auch so etwas wie ein Geheimnis des Tales zu sein und nicht
jeder – insbesondere die Jüngeren – waren darin eingeweiht. Aber immer hatten
wir jetzt eine kleine Spur, wo wir ansetzen konnten.
Am nächsten Morgen
begleitete uns der Bürgermeister bis nach Nissingen um uns das Skelett des
Drachens zu zeigen, leider ließ man uns nicht aus den Augen, so dass wir kaum
nach Wolfsspuren schauen konnten. In Nissingen lernten wir dann auch den
dortigen Bürgermeister Rabel kennen der uns im Museum als Führer diente und mir
sogar am Ende einen Knochen des Drachenskelettes schenkte. Mal sehen ob ich mir
daraus einen Talisman mache oder ob ich ihn an den nächsten Alchimisten
verkaufe, dürfte bestimmt einiges Wert sein.
Natürlich waren Rabel
neugierig was mir genau in dem Tal wollten, zum Glück hatten Katalina und Hägar
eine schöne Geschichte ausgedacht, dass wir auf der Suche nach ein paar
gefährlichen Thorwalern wären: Beorn und seine Bande. Einige Zeichnungen von mir
in Form eines Steckbriefes halfen dann sehr gut zur Untermalung und dürften
Beorn das Leben hier echt schwer machen. Das war die Retourkutsche dass er uns
im letzten Ort durch seine Art Steine in den Weg gelegt hatte. Ich fertigte dann
noch einen Holzstich als Stempel an, damit an jedem Haus das Bild von Beorn
angebracht werden konnte.
Auf dem Rückweg vom
Museum haben der Moha und ich uns von der Gruppe gelöst um noch Kräuter suchen
zu gehen. Natürlich war die Suche nach den Wolfspuren der Grund warum wir nicht
länger mitmarschieren wollten. Nach einiger Zeit entdeckte der Moha auch Spuren,
die in Richtung eines Walles führten. Zum Weitersuchen war es leider schon zu
spät und so beschlossen wir, zurück zum ersten Dorf zu gehen. Ab dieser Nacht
stellten wir bei den ersten beiden Dörfern Wachen auf, falls einer der Dörfler
mit den Wulfen ein Treffen hatte.
In der ersten Nacht
hatten wir kein Glück, aber in der zweiten Nacht ertönte im ganzen Tal ein
unheimliches mehrstimmiges Wolfsgeheul und tatsächlich schlich sich ein Anwohner
mit einem großen Sack mit vermutlichen Opfergaben aus dem Dorf. Dummerweise
stolperte Katalina beim Verfolgen und der Dörfler brach den Weg ab und kehrte
missmutig zurück. Wir reagierten prompt und Eigor und ich gingen auf den
Marktplatz. Einige Minuten später kam der Bürgermeister mit dem Bewohner und
wollte wissen, was wir hier machen würden. Wir verkauften ihm die Geschichte,
dass wir auf Grund der Gesuchten Beorn Bande Wachen aufgestellt hatten und dass
wir uns so mit ein wenig Sicherheit für die Gastfreundschaft revanchieren
wollten. Scheinbar schluckten sie die Geschichte und ließen uns gewähren.
Nachdem Eigor und ich
wieder alleine auf dem Platz waren winkte uns Phileasson aufgeregt zu sich und
erklärte uns, dass aus dem anderen Dorf auch ein Bewohner Richtung Wall
unterwegs war und das Raluf ihn verfolgen würde. Sofort rannten alle von uns los
und der Moha suchte die Spur von Raluf der zum Glück hin und wieder Zweige in
die Erde gesteckt hatte, damit wir ihm folgen konnten. Nach einiger Zeit konnten
wir hinter uns einige Fackeln sehen, scheinbar war es den Dörflern aufgefallen,
dass wir hinter ihrem Boten her waren. Wir konnten nur hoffen, dass sie uns
nicht einholten und wir so die Spur verloren.
Doch Phex schien mit uns
zu sein. Wir entdeckten Raluf hinter einem Felsen kauern und konnten von dort
aus das Treffen zwischen einem der Bewohner und einem Wolfsmenschen oder Wulfen
beobachten. Der Sack mit den Opfergaben wechselte den Besitzer und der Dörfler
kam genau auf uns zu. Wir versteckten uns im hohen Gras und wieder war das Glück
mit uns, als er genau neben mir stehen blieb und verwundert auf die näher
kommenden Fackeln schaute und dann auf diese zulief. Wir rafften uns auf und
versuchten der Fährte des Wulfen bzw. unserem Moha zu folgen, der die Verfolgung
schon aufgenommen hatte.
Wir rannten in Richtung
Gebirge und dort durch ein kleines Wäldchen. Wir unser Fährtensucher bei dieser
Dunkelheit auch nur irgendetwas erkennen konnte ist mir immer noch ein Rätsel.
Wir stoppten an einem Grad und hatten von dort einen Ausblick auf ein kleines
Tal. In der Mitte war eine Felsnadel auf der die Ruine einer alten Burg war und
zu der eine Hängebrücke führte. Wie tief es um die Nadel herum runter ging,
konnten wir nicht einschätzen und da wir immer noch die Fackelträger hinter uns
hatten machen wir uns auf den direkten Weg zur Burg.
Bei der Brücke angekommen
stellten wir mit Schrecken fest, dass sich diese nicht im allerbesten Zustand
befand und Hägar war schneller auf den Halteseilen der Brücke als wir schauen
konnten. Ich wollte eigentlich eine Solidrid Brücke zur Felsnadel schlagen und
musste jetzt Hägars Kletterpartie mit ansehen. Auf Hälfte der Strecke schlug ein
kupferner Pfeil genau im Balken ein wo das Seil befestigt war und Hägar kippte
in die Tiefe. In letzter Sekunde konnte er sich noch an dem unteren Seit
festhalten. In Windeseile zauberte ich die Lichterbrücke, worauf ich mich zum
Glück schon vorbereitet hatte und wir rannten zu unserem Gefährten. Mit Müh und
Not zogen wir ihn hoch und liefen weiter, so schnell wir konnten. Zum einen
waren wir für den Bogenschützen hier wie auf einem Präsentierteller und zum
anderen hielten diese Brücken meist nicht sehr lange.
Gerade als der Moha zum
Sprung ansetzte um auf den Felsen zu kommen verschwand die Brücke unter seinen
Füssen und ihm nächsten Moment riss ihn ein Pfeil herum und Blut schoss aus
seiner Brust. Der Pfeil hatte genau die Lunge getroffen. Ich schaffte es noch
den Arm zu greifen und schleuderte unseren dunklen Freund auf den Felsen in
Deckung. Shanja und ich kümmerten und sofort um den Pfeil und es kostete mich
mehr Kraft die Wunde zu heilen als ich eigentlich selber hatte. Blut tropfte aus
meiner Nase und vor meinen Augen verschwamm leicht die Umgebung während ich mich
auf den Zauber konzentrierte. Nur im Unterbewusstsein bekam ich mit, dass Hägar
und Katalina in die Ruine stürmten um den Schützen zu töten und das die
Fackelträger das Ende der Brücke erreichten und scheinbar nicht die Dörfler
waren sondern Beorn und seine Mannschaft.
Nachdem der Zauber
abgeschlossen war, lehnte ich mich erstmal gegen die Burgmauer und atmete tief
durch. In meinem Schädel hämmerte es wie verrückt und das Zittern meiner Hände
und das Blut aus meiner Nase verrieten mir, dass mich der nächste Zauber töten
würde wenn ich ihn sprechen würde. Ich rief auf Isdira den alten Wächter der
Silberflamme, denn bei dem Schützen handelte es sich unzweifelhaft um den
Widergänger, an, dass wir keine Feinde wären und dass dieser Kampf keinen Sinn
hat. Ich wusste nicht ob er uns hörte und ob das Gesagte für ihn eine Rolle
spielen würde. Der Moha rannte in Richtung Mitte der Ruine, wo ein tief Spalt
sich durch den Hof zog, während wir die Seile der Brücke kappten um Beorn das
Leben schwer zu machen und mit anschauen mussten wie auf der anderen Seite ein
augenscheinlich dämonische Anrufung statt fand.
Shanja war geschockt und
ich schob sie regelrecht vor mir her Richtung Burgfried wo wir Hägar und
Katalina vermuteten. Die beiden hatten mittlerweile ein Falltür entdeckt und der
Moha stieß mit der Information zu uns, dass am Boden der Spalte ein Licht
brennen würde. Wir beschlossen in die Falltür zu klettern und hofften der Weg
würde uns nach unten führen. Ich erzählte Hägar, dass wenn ich sterben würde,
ihre einzige Chance dem Dämon Schaden zuzufügen darin bestand, ihn mit meinem
Stab anzugreifen, sofern dieser meinen Tod überstehen würde. Ich denke mein
Blick machte ihm deutlich, dass ich keinen Kampf mit einer solchen Kreatur
überstehen würde und mein Leben dafür geben würde ihnen Zeit zu verschaffen zu
fliehen und die Aufgabe zu vollenden. Da ich als letzter in die Klappe stieg
hatte ich noch das zweifelhafte Vergnügen zu sehen wie der Dämon Beorns Truppe
auf dem Platz absetzte, es schien so, als würde diese Wesenheit eine Wolke mit
langen Fäden sein, mit denen er Halt finden würde und an denen er die
"Passagiere" hinunterlassen würde. Einer der Begleiter Beorn fiel von etwas
unsichtbaren getroffen auf die Mauer und starb. Scheinbar hatte der Schütze ein
neues Ziel gefunden.
Hägar führte den Trupp an
und deckte die schmalen Wege im Stollen mit seinem Schild. Sollte uns jemand
frontal angreifen würde er nicht an ihm vorbeikommen. Shanja lief vor mir uns
konnte immer noch nicht fassen, das Beorn zu solchen Mitteln in einem
zwölfgöttlichen Wettstreit griff und dass die bei ihm reisende Traviageweihte
diesen Schritt zuließ. Sie würde den Vorfall jedenfalls in Thorwal vortragen,
wenn wir je dort wieder ankommen würden. Wir liefen über einige Ebenen nach
unten und kamen dann an einer Kammer vorbei, wo zwei Wölfe und zwei Wulfen
schliefen. Alle schafften es leise zu sein und die Tiere nicht zu wecken, doch
genau in dem Moment wo ich vor dem Durchgang war, wurde mir wieder leicht
schwindelig und ich schlug beim Rutschen mit meinem Wurfbeil am Felsen entlang.
Sofort waren alle vier aufgewacht und auf den Beinen. Ich schaffte es den ersten
Wulfen mit dem Stab und dem aktivierten ewigen Feuer zu treffen und auch der
erste Wolf machte Bekanntschaft mit meinem Element. Hägar rutschte zwischen den
Beinen der anderen nach hinten und versperrte mit dem Schild den Weg. Immer
abwechselnd schlugen wir mit dem Stab über den Schild oder neben ihm vorbei oder
mit Hägars Axt unter dem Schild auf die Beine der Angreifer.
Danjuk hatte sich zu
Katalina an die Spitze gesetzt und wir marschierten auf diese doch etwas
groteske Art und Weise tiefer in den Berg. Der Zug hielt plötzlich da vor uns
eine weitere Höhle mit mehreren Wölfen und auch Wulfen waren. Danjuk schaffte es
mit ihnen über sein wölfisches Erbe Kontakt aufzunehmen und ihnen zu erklären
dass wir ihnen nichts tun wollten sondern uns nur verteidigt haben. Es dauerte
einige Minuten bis sich die Wölfe und die Wulfen bereit erklärt uns zu ihrem
toten Vater – Ern Sen – zu führen. Wir mussten einen Teil des Weges zurücklegen
und bogen dann tief in den Felsen ab. Als wir Tageslicht sahen lag zwischen uns
und einer weiteren Höhle ein Monolith als Brücke über eine Schlucht. Über uns
konnte man den Hof der Burg erkennen und was wir leider noch genau erkennen
konnten war der Dämon, der dabei war Beorn und seine Mannschaft langsam hier
herab zu lassen.
Jetzt war wirklich Eile
geboten, wenn wir nicht so kurz vor dem Ziel noch gegen ihn verlieren wollten.
Hägar und ich rannten über den Felsen und stürmten in die Höhle. Einige
Herzschläge blieben wir vor Ehrfurcht stehen. An der Wand saßen die
mumifizierten Leichen zwei Menschen, dass eine wahr eindeutig Ern Sen, der noch
immer das Schwert in seiner Hand hielt und neben dem das Wolfsschild stand.
Neben ihm saß eine Frau, die wir nicht zuordnen konnten und vor beiden lag ein
ziemlich großer Wolf reglos da. Scheinbar war auch er tot und Zeit seines Lebens
Ern Sens Begleiter. Hägar griff nach dem Schwert und brach dabei die
skelettierten Hände des Steppenwolfes ab, die das Schwert eng umschlossen
hielten. Im selben Augenblick landete hinter uns auf der Brücke die
Widergängerin. Es war eindeutig eine Frau, die sich mit einer todbringenden
Anmut bewegt. "Ihr habt gelogen", warf sie uns entgegen. Für einen Moment schien
für mich die Zeit einzufrieren, vor mir stand eine uralte Elfe eine nicht
bekannten Volkes, die als Widergängerin gekommen war um das Schwert zu holen,
dass wir so dringend brauchten. Ich versuchte ihr begreiflich zu machen, dass
wir das Schwert brauchen und das wir damit auch einen ihrer Gefährten erlösen
müssten und dass ich dafür mein Wort gab. Ich versprach, dass wir das Schwert
beschützen würden, so wie sie es getan hat und dass wir es nach Tie Shiana
bringen würden, wenn wir unseren Auftrag erledigt hätten und das Schwert seine
Aufgabe erfüllt hätte. Es schien eine Ewigkeit zu dauern in der sie über meine
Wort nachdachte. Hinter mir wurde Hägar nervös und auch in den Augen der anderen
die hinter ihr standen konnte ich Panik erkennen, denn Beorn schien immer
dichter zu kommen. Mit einem Mal riss sie ihr schlankes Schwert hervor und
schnitt sich in die Hand und hielt mir ihre Hand entgegen. "Dein Wort und Dein
Blut,
dass du dich an dein Versprechen halten wirst". Innerlich musste ich über die
ironische Situation lachen, in ihren Adern floss meine Kraft, man könnte sagen
mein Blut, denn scheinbar hatte sie es gebraucht um wieder auf zu erstehen.
Jetzt wollte sie es auch noch freiwillig von mir für einen Blutseid. Jeder
vernünftige Mensch würde einem davon abraten und doch griff ich zur Klinge
schnitt mir in die Hand und reichte sie ihr. Für einen kurzen Moment sah ich ihr
tief in die Augen und konnte darin eine eiskalte Killerin erkennen. Ich wusste
sie würde mich überall finden, wenn ich mich nicht an diese Abmachung halten
würde und das sagte sie mir Sekunden später auch, als würde sie in meinen
Gedanken lesen.
Mit einem gewaltigen
Sprung war sie aus meinem Blickwinkel entschwunden und sie erklomm in rasender
Geschwindigkeit den Spalt. Direkt auf Beorn und den Dämonen zu, im nächsten
Moment sah man Blut von oben spritzen und einer von Beorns Helfern fiel durch
die Klinge in zwei geteilt auf den Monolith. Das war für Hägar und mich das
Startzeichen. Wir rannten in wilder Hatz hinter den Wölfen her und konnten
hinter uns hören wie sich Wulfen und Wölfe Beorn in den Weg stellten und es zu
einem grausamen Kampf kam. Ein Wolf führte uns aus dem Berg und hinauf ins
Gebirge. Dort angekommen machten wir einen Moment Rast und hörten hinter uns im
Berg immer noch den Kampf. Wölfe und Wulfen gegen Menschen und Dämon. Ich
zweifelte daran, das auch nur einer der Bewohner des Berges diesen lebend
verlassen würde. War es das alles wert ? Konnten die Götter das wirklich
wollen ? Wenn Beorn bereits zu diesem Zeitpunkt der Reise solche Mittel
einsetzen würde, was würde er noch alles machen um uns auszustechen. Während wir
weiter in die Berge Richtung Valussa zogen gingen mir nur solche Gedanken durch
den Kopf. Ich würde mich demnächst mit Shanja einmal in Ruhe hinsetzen und
versuchen das Ganze zu verstehen.
Bei der nächsten Rast
holte ich das Schwert hervor, das natürlich alle die Klinge betrachten wollten.
Katalina war besonders an dem Schwert interessiert und untersuchte es so gut es
hier ging. Sobald die Klinge aus der Scheide gezogen wurde, leuchtete die Klinge
silbern auf. Das Schwert lag sehr gut in der Hand und war reichlich mit
elfischen Einlegearbeiten und Gravuren verziert. Eine der Rune nannte den Namen
der Waffe: Selflanatiel. Eine andere zeigte das Symbol für Erzfeind. Leider
konnte ich nicht alle Runen entziffern ohne die entsprechenden Bücher. Bei der
Pause kam die Diskussion auf, ob Ern Sen selber so ein guter Schwertkämpfer war
oder ob es nur an der Klinge lag. Das lies sich leicht prüfen und nach einem
Schlagabtausch gegen Azina musste ich feststellen, dass mir das Schwert kein
Wissen über die Schwertkunst gegeben hat und ich damit vom kämpferischen her
nichts anfangen konnte.
Als wir uns auf den
weiteren Weg machen wollten schaute uns Shanja an und fragte ob wir sicher sein,
dass wir den Einbeinigen in Mendena aufsuchen wollten ? Wir schauten sie fragen
an und keine wusste wovon sie sprach. Es dauerte dieses mal sehr lange bis wir
begriffen, dass sie scheinbar eine weitere Prophezeiung hatte und uns damit den
Weg vorgeben hat. Von Valussa aus würden wir uns ein Schiff nach Mendena nehmen.
Hoffentlich würden wir dort nicht schon wieder auf Beorn treffen.
Haijagd
Wir
brauchten vier Tage bis Valussa, in denen wir teils heftige Diskussionen führten
und die eine gewisse Spannung in der Gruppe aufkommen lies. Doch anders als ich
dachte war nicht Beorn mit seiner götterverachtenden Dämonenbeschwörung der
Grund dafür, sondern Danjuks Aussage, dass wir wie Grabschänder und Grabräuber
gehandelt hatten, als wir das Schwert an uns nahmen. Das war ein ganz schöner
Schlag ins Gesicht und es flogen einige heftige Worte hin und her, bis Hägar mit
der Bemerkung, dass Beorn es auch gemacht hätte und dieser Graubraub daher nicht
zu verhindern gewesen wäre, die Wogen glättete. Danjuk überlegte eine Weile und wir schafften es ihn
insofern zu beruhigen, dass wir am Ende der Reise Bilanz ziehen würden, ob wir
im Sinne aller – auch seiner – Götter gehandelt hätten oder wo wir uns wirklich etwas
zu Schulden haben kommen lassen. Nichts desto trotz werde ich in Valussa eine
Spende hinterlegen, da ich den Gedanken des Grabschändens nicht gehabt hätte und
mir seine Worte nicht aus dem Kopf gehen.
Meinem
Patienten – unserem Moha – ging es den Götter sei dank nach ein paar Tagen schon
wieder besser. Er war zwar wegen dem hohen Blutverlust etwas wackelig auf den
Beinen doch das würde sich in einigen Tagen sicherlich geben. Auch wenn er es
nicht sagte, ich merkte an seiner Art und Weise seine Dankbarkeit. Er ist echt
ein sonderbarer Bursche und ich möchte ihn nicht mehr missen müssen, auch wenn
ich immer noch nicht weiß, wie er heißt. Mittlerweile habe ich mich damit
abgefunden, ihn einfach nur Moha zu rufen oder ihm klangvolle Spitznamen zu
geben, die zu seinen Fähigkeiten passen.
Je
näher wir der Stadt kamen, desto mehr stieg in mir die Unruhe auf. Ich hatte mir
bis zur Stadtmauer immer noch keinen Plan überlegt, wie ich den Geist erlösen
sollte. Katalinas Kommentare brachten mir leider auch nicht viel, außer dass ich
mir jetzt noch mehr Sorgen um meinen Arsch machen musste, da sie meinte, ich
müsste bestimmt mit ihm die Klingen kreuzen. Na super. Sie wollte mir das
Schwert und die damit verbundene Bürde abnehmen, doch das konnte ich nicht
zulassen. Es war mein Versprechen, dass ich ihm und seiner Gefährtin gegeben
hatte und ich würde es auch einhalten.
Immerhin hat mich Phex nicht verlassen, denn während ich mit Phil und Richtung
Stadt marschierte, kam mir der Gedanke von der Stadt für die hoffentlich
erfolgreiche Geisteraustreibung noch ein paar Münzen zu kassieren. Die Aktion in
den Drachensteinen hatte uns immerhin einiges an Geld gekostet und wir konnten
noch nicht einmal unsere Pferde verkaufen, da wir die ja zurücklassen mussten.
Wir gingen zum Tempel des Ingrimm, da wir die dortigen Geweihten ja schon
kannten und berichteten ihnen, dass wir einen Weg gefunden hätten um den Geist
zu exorzieren und das wir zur Zeit knapp bei Kasse wären und ob es nicht einen
Weg geben würde unseren Beutel mit einigen Münzen der Stadt wieder zu füllen.
Bevor der Geweihte antworten konnte, erklärte ich ihm aber, dass wir den Geist
selbstverständlich auch dann erlösen würden, wenn es von der Stadt keine
Belohnung geben würde. Daraufhin erhellten sich seine Züge und er versprach uns
auf Grund unserer Ritterlichkeit sich ein wenig umzuhören und einigen Leuten
unser Gesuch vorzutragen.
Wir
machten uns dann auf zum Marktplatz um mit Hägar und Katalina das eine oder
andere Bier zu trinken. Wir saßen lange nicht mehr in Ruhe bei einem kühlen
Blonden, aber da wir heute nach eine Verabredung mit einem Geist hatten und das
Schiff nach Mendena erst in zwei Tagen auslaufen würde, konnten wir einfach mal
einen Tag durchatmen, obwohl es mir schwer fiel mich auf etwas anderes zu
konzentrieren als auf diese beiden Wolfsstatuen auf dem Marktplatz. Hägar und
Katalina versuchten noch einen Geschichtenerzähler über die beiden Statuen
auszuquetschen, aber ich konnte dem Gespräch irgendwie nicht richtig folgen. Ich
machte mir die ganze Zeit nur über den Geist Gedanken. Am Abend sahen wir dann
plötzlich den Ingrimm Geweihten auftauchen, wie er von Kneipe zu Kneipe lief und
wie sich der Beutel immer mehr füllte. Scheinbar ging meine Idee auf und wir
unterhielten uns kurz mit ihm und er sagte, wenn wir unser Wort halten würden,
dann wären einige bereit, dafür einiges zu bezahlen. Phil hielt mir dann noch
eine Ansprache, ich solle es ja nicht versauen, da es immerhin auch um seinen
Ruf gehen würde......na super.....danke für das Mut machen, mein Kapitän dachte
ich mir nur. Er versteht es wirklich Leute noch nervöser zu machen.
Zu
späterer Stunde schlossen die Tavernen am Marktplatz und die Straße war sehr
schnell menschenleer. Ich schüttete mir meinen Rest Bier in die Kehle und ging
mit den anderen auf den Marktplatz zu den Statuen. Dieses mal kam der Nebel
schnell und er war dichter und irgendwie auch kälter. Kaum hatte ich die Wölfe
berührt – ich brauchte noch nicht einmal raufklettern, hörte ich schon seine
beiden Schwerter über den Marktplatz schleifen. Er kam. Und ich war wieder mit
ihm alleine, denn die anderen konnte ich im dichten Nebel nicht sehen oder
hören. Er kam dicht auf mich zu und erkannte mich. Ich sagte ihm, dass ich mein
Wort gehalten habe und das Schwert, dass er in der Vergangenheit beschützt hat
bei mir tragen würde. Ich zog die Klinge aus der Scheide und zeigte sie ihm. Er
kam näher und ich betete zu allen zwölf Göttern, dass es nicht zu einem Kampf
kommen würde. Jetzt erkannte ich sein Gesicht, von dem einst elfischen Krieger
waren nur noch die Augen lebendig, ansonsten war das Fleisch vergangen und die
blanken Knochen und Fetzen der Rüstung wirkten geisterhaft – wie passend – an
ihm. Ich sagte ihm, dass wir seine Gefährtin gefunden haben und das ich mit ihr
einen Eid eingegangen war, nachdem sie von den Toten zurückgekehrt war und das
in unseren Adern nun ein Teil des Blutes des anderen fliesen würde. Er erzählte
mir, dass diese Frau seine Schwester war und dass sie schon immer sehr verbissen
gewesen sei. Auch ihm gab ich das Versprechen, dass ich dieses Schwert in die
alte Elfenstadt zurückbringen würde und fragte ihn, ob er mir vielleicht einen
Weg dahin weisen könnte, was er aber leider verneinte, da er nicht Verrat an
seinen Brüdern begehen würde. Nur mühsam brachte ich die Frage heraus, ob er
jetzt diesen Ort verlassen würde, da das Schwert nun seine Heimreise antreten
würde und er fragte mich mit einem sonderbaren Unterton in der Stimme, ob es
denn mein Wunsch wäre, dass er diesen Ort verlässt. Ich verstand die Frage
nicht, aber sagte ihm, dass er jetzt gehen könnte, wohin er wolle und das er
frei wäre, immerhin sind wir deswegen zurückgekommen. Er ging daraufhin, er
drehte sich einfach um und ging.
Ich
konnte die ganze Szene immer noch nicht so recht greifen, als ich rund um mich
herum Shanjas Stimme hörte. Wie es schien, erhielten wir eine neue Prophezeiung
von ihr. Ich riss schnell mein Skizzenbuch aus der Tasche und versuchte so gut
es ging die Worte mit zuschreiben.
Es wird
kommen der Tag, an dem sich die Kinder des H´Ranga aus den Fluten der Meere
erheben und ihre schrecklichen Schlangenleiber an Land wälzen, um ganze Städte
zu Staub zu zermahlen.
Selbst
die geringsten unter den Kindern der Gottechse, die sich schon in diesen Tagen
unruhig in den Abgründen der Meere winden, können mit ihren Leibern die
gewaltigsten Schiffe zerdrücken wie die übermütige Kinderhand die Schale eines
Eies.
Verschafft euch den Reißzahn einer Seeschlange ! Er gewährt euch Schutz in der
Stunde, da keine Waffe von sterblicher Hand euch noch zu retten vermag. Vor der
Ostküste Maraskans, das Meer durchpflügend, werdet ihr finden, was euch bestimmt
ist.
Kaum
hatte ich dieses getan, verzog sich der Nebel und die anderen drei stürmten mit
Fragen über Fragen auf mich zu. Ich konnte in dem Moment nichts sagen und war
heil froh, als uns Phil in eine Kneipe führte wo wir erstmal einen kräftigen
Schluck tranken. Doch
auch dort war die Ruhe für mich nur kurz, denn alle drei sprudelten mit Fragen
nur so über mich her und es war schwer ihnen die Eindrücke vom Marktplatz zu
beschreiben. Ich fasste die Tatsachen so gut es ging zusammen und erzählte
natürlich auch davon, dass ich auch diesem Geist mein Versprechen gab, dass
Schwert zurück zu bringen an den Ort von dem Ern Sen es gestohlen hatte.
Katalina ließ dann denn Spruch ab, was für blödsinnige Versprechen ich immer von
mir geben würde und da platzte mir der Kragen. Die ganze Reise über hatte ich
mich zurückgehalten, doch jetzt ging diese Horasierin zu weit. Ich fauchte sie
an, ob Ehre und Anstand bei ihrer Erziehung keine Rolle gespielt hatten und
bevor ich meinen Satz zu Ende bringen konnte, brüllte sie die Kneipe zusammen
und verlies selbige. Leider konnte sie meinem Bierhumpen noch ausweichen, bevor
sie auf die Straße trat. Hägar und ich blieben in der Kneipe und ich lies mich
einfach nur noch voll laufen. Ich hatte einfach nur noch die Schnauze voll. Phil
ist dann hinter ihr her gerannt, hat sie aber auch nicht gefunden. Hähä, ich
glaube sogar, er hat sich gar nicht die Mühe gemacht sie zu suchen, sondern war
mehr aus Anstand aufgesprungen und hat die Gelegenheit genutzt sich draußen zu
erleichtern. Wir sind jedenfalls zu sehr später Stunde in unserem Lager
eingetroffen und waren voll wie Eimer.
Am
nächsten Morgen war die Stimmung im Lager gemischt, scheinbar war Katalina nicht
in der Nacht eingetroffen, sondern in der Stadt geblieben und außerdem waren wir
uns nicht einig, welches Ziel nun unser nächstes wäre. Mendena mit dem
Einbeinigen oder die Gewässer vor Maraskan. Hatte Beorn etwa den Einbeinigen
schon vor uns gefunden und war dieser Punkt an ihn gegangen ? Sollten wir
deswegen schon das nächste Ziel bekommen haben ? Nach einigen Stunden des
Diskutierens kam dann auch unsere horasische Junkerin ins Lager stolziert und
sorgte mit ihrem Erscheinen für einen extremen Temperaturabfall. Alle verzogen
sich, damit wir eine Aussprache halten konnten, da das aber nicht möglich war,
da sie sofort wieder das Brüllen anfing, versuchte ich mit einem gut dosiertem
Silentium vor ihrem Brüllorgan erstmal für Ruhe zu sorgen. Als sie merkte, dass
sie nicht mehr reden konnte, flippte sie völlig aus und warf sich mit den
Fäusten auf mich. Womit Sie gleich zwei Sachen bewiesen hatte, erstmal das es
für Frauen unerträglich sein muss mal für fünf Minuten den Rand zu halten und
dass sie eine sauschlechte Boxerin war, denn ihre zwei Schläge verfehlten mich
um Meilen.
Da mir
das Ganze jetzt doch etwas zu doof war griff ich zu meinem Stab um mir die Furie
auf Distanz zu halten, was sie damit beantworte, dass sie mich mit ihrem Schwert
angriff. Ok, jetzt wurden die anderen im Lager doch ziemlich nervös und ich sah
sowohl Hägar als auch Phil heranstürmen. Während Katalina wie verzweifelt
versuchte mich zu treffen, hatte ich mich nur auf das Abwehren beschränkt, was
mir auch perfekt gelang, womit sie bewiesen hat, dass eine Schwertgesellin nicht
zwingend eine bessere Kämpferin ist als ein Magier. Nach einigen Schlägen sprang
der Kapitän heran um sie zu Boden zu reißen, stolperte jedoch über eine der
leeren Flaschen vom Vorabend und flog knapp an ihr vorbei. Hägar hatte da mehr
Glück und er riss sie zu Boden. Er forderte von ihr mit dem Scheiß aufzuhören,
doch sie knallte ihm nur eine. Daraufhin prügelten die beiden sich wie
Straßenkinder im Lager. Naja, eigentlich prügelte er sie, denn bis auf den
ersten Angriff hatte sie danach keinen Treffer mehr landen können. Thorwaler
sind nun mal die geborenen Kneipenschläger. Nach einigen wohl platzierten
Schlägen sackte sie zusammen und es herrschte himmlische Ruhe im Lager. Ich
konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, machte aber zur Sicherheit einen Bogen
um Hägar, da er echt mordsmäßig sauer war von dem Kinderkram, den Katalina
angezettelt hatte.
Er zog
es vor, sich mit Eigor einen anzutrinken und so zogen Phileasson und ich alleine
los zum Ingrimm Tempel um zu schauen wie viel der Geweihte denn für uns
zusammengesammelt hatte. Ganze 85 Goldstücke überreichte er mir in dem Beutel
und bedankte sich insbesondere im Namen der Tavernenbesitzer am Marktplatz, dass
der Geist verschwunden war. Das er es war, da war ich mir ziemlich sicher, denn
ich wusste wo er war: direkt hinter mit ! Die ganze Zeit ! Ich hatte ihn in der
Nacht in der Taverne gespürt, hatte seine Schwerter auf dem Boden gespürt und
teilweise hatte ich sogar das Gefühl seinen eiskalten Atem in meinem Nacken zu
spüren. Er würde die ganze Zeit bei mir bleiben, bis wir die Elfenstadt
erreicht und das Versprechen eingelöst hatten. Auf jeden Fall bedankten wir uns
für die großzügige Hilfe und ließen natürlich unseren Tempelzehnt des Geldes
gleich im Tempel worauf sich die Augen des alten Mannes sichtbar erhellten und
er uns seinen Segen für die weitere Reise gab.
Wir
kehrten zurück ins Lager, wo Katalina leider bereits wieder wach war. Ich
sammelte mein Gepäck zusammen und wir machten uns alle auf in Richtung Hafen,
denn in 3 Stunden würde unser Schiff nach Mendena auslaufen. Wir hatten uns
mittlerweile darauf geeinigt, einen Abstecher nach Mendena zu machen und dort
ein oder zwei Tage nach dem Einbeinigen zu suchen bevor wir nach Maraskan
weiterreisen würden. So würden wir sicher gehen, dass wir keine Aufgabe
überspringen würden und eventuell später noch einmal wiederkommen müssten. Die
Fahrt nach Mendena verlief ruhig und ohne weitere Vorfälle. Ich ging dem Rest
der Mannschaft so gut es ging aus dem Weg, meine Gedanken waren immer noch bei
meinem ständigen Begleiter und ich versuchte mit diesem neuen Gefühl in Einklang
zukommen, ständig von einem toten Elfen beobachtet und verfolgt zu werden. Ich
verfasste des weiteren ein paar Zeilen für unsere Hochadlige Schwertgesellin um
ihr mal zu erklären, was sie für einen Bockmist gebaut hatte. Reden war ja nicht
möglich mit ihr und so hoffe ich, dass dieser Weg funktionieren würde, auch wenn
ich nicht viel Hoffnung hatte. So konnte ich wenigstens sagen, dass ich es
versuchte hatte und brauchte mir keine Vorwürfe machen lassen. Immerhin stand
einiges auf dem Spiel und ich war heiß darauf, dieses Rennen mit der Mannschaft
zu gewinnen.
Wir
liefen am frühen Mittag im Hafen von Mendena ein und ich merkte, wie sehr mir
die Seeluft gefehlt hatte. Ich fühlte mich richtig erleichtert und spürte wie
mein Körper neue Energien getankt und verlorene wieder regeneriert hatte. Dazu
kam, dass wir endlich in einer Stadt waren, die so ganz nach meinem Geschmack
war, Seeleute, Piraten und Abenteurer so weit das Auge reicht. Wir teilten uns
gleich auf und ich zog alleine los um mich im Hafen nach dem nächsten Schiff
nach Maraskan zu erkundigen. Die anderen wollten sich um den Einbeinigen
kümmern.
In vier
Tagen würde ein Festumer Handelsschiff nach Maraskan aufbrechen und vielleicht
könnte man da eine Passage drauf buchen. Mehr Schiffe würden nicht in die
Richtung fahren, so viel konnte man mir am Hafen wenigstens sagen. Ich fragte
außerdem nach einem guten Hautstecher, da ich auf dem Schiff beschlossen hatte
mir ein neues Bild auf den Rücken tätowieren zu lassen. Er nannte mir einen Moha
der in einem ziemlich heruntergekommenen Viertel wohnen würde und der nicht mehr
alle Tassen im Schrank hätte, aber die besten Bilder stechen würde, sein Name
war Nuerg oder so ähnlich und ich bekam eine knappe Wegbeschreibung.
Es
dauerte nicht lange, bis ich mich in den stinkenden Gassen von Hafenkaschemen
zurechtgefunden hatte und bei dem Moha-Viertel angekommen war. Naja Viertel ist
vielleicht etwas übertrieben, es waren eine handvoll Hüten, die eng beieinander
standen und einen Innenhof bildeten. Ich ging langsam auf den Hof zu und konnte
die Mohas, beim Hühner rupfen , Feuer machen und singen beobachten. Als sie
meiner aber gewahr wurden, verstummten sie alle und einer von ihnen fragte was
ich wollte. Ich sagte ihm, dass ich Nuerg suchen würde für eine Tätowierung und
er führte mich in einen kleinen Raum neben dem Hof. Ein alter Mann kam herein
und er erfüllte das Bild eines Schamanen wie es nur ein echter Schamane machen
konnte. Er hatte eine verschobene Aura, es schien, als wäre ein Teil von ihm
nicht in dieser Welt. Wir sprachen nur wenige Worte am Anfang, ich erzählte ihm
welches Bild ich mir vorgestellt hatte. Er schaute mich fragend an und wollte
wissen, ob es nur ein Bild sei oder eine Geschichte hätte, da ich zahlreiche
Szenen meines Lebens bereits auf dem Körper verewigt hatte. Ich erzählte es ihm
alles und er sah mich nur an und lies mich spüren, dass er mich verstand. Auch
gab er mir Gewissheit, dass ich nicht alleine den Hof betreten hätte und das ein
Geist mit mir angekommen sei. Jetzt hatte ich es quasi schwarz auf weis, dass
ich mir das Ganze nicht nur eingebildet hatte um so entschlossener wartete ich
bis er das Bild auf meinem Rücken begann.
Das ich
eigentlich nach 2 Stunden ein Treffen mit der Mannschaft hatte, war mir
mittlerweile egal, ich hatte für sie soviel auf mich geladen und mir einen
Geisterbegleiter angelacht, nur damit wir aus der Situation mit Beorn und dem
Dämonen heil herauskamen und durfte mir dann anhören, solche Versprechen seien
blödsinnig. Jetzt war einfach die Zeit für mich gekommen, dass ich mal wieder
etwas für mich tat und das war diese Last von meinem Schultern zu nehmen und
dafür in meiner Haut zu verewigen. Der alte Mann war die ganze Nacht und den
Anfang des neuen Tages damit beschäftigt, meinen Rücken in ein Bild zu
verwandeln. Die gleichmäßigen Klopfbewegungen auf dem Rücken und die
verschiedenen Kräutergerüche aus den brennenden Schalen im Raum sorgten dafür,
dass ich schnell alles um mich herum vergaß und das Gefühl hatte meinen Körper
zu verlassen und außerhalb von ihm zu reisen. Ich flog über das ewige Eis,
tanzte mit dem Wind über die Wellen an den Klippen von Thorwal und sah riesige
Wälder unter mir und ich konnte schemenhaft immer meinen neuen Begleiter
erkennen, doch ich hatte ihn akzeptiert. Er war nun ein Teil von mir uns sein
Bildnis fand in diesem Moment ein neues Heim in meiner Haut, vermischt mit einem
kleinen Teil des Blutes seiner Schwester.
Als
Nuerg mit dem Bild aufhörte, trat er kommentarlos zurück und holte einen alten
Schild den er als Spiegel hochhielt. Auf meinem Rücken prankte groß das Bild
eines Elfenpaares, dass mir nachlief. Der eine mehr tot als lebendig mit zwei
Schwertern und die andere voller Energie und mit einem Bogen und einem Schwert
bewaffnet. Ich erkannte bei ihnen auch die Klinge die ich jetzt trug und sogar
der Name des Schwertes Selflanathiel war zu erkennen, obwohl ich davon dem alten
Schamanen nichts gesagt hatte, doch ich konnte erahnen, wer ihm den Namen
verraten hatte. Das Bild war ein Kunstwerk und ich war sichtlich erleichtert,
bevor Nuerg einen Preis für das Bild nennen konnte, griff ich in meinen Beutel
und zog den kleinen Drachenknochen hervor, den ich in den Drachensteinen
erhalten hatte. Ich spürte einfach, dass er damit etwas anfangen könnte und ich
hätte ihn sowieso nur an den nächsten Alchemisten verkauft. So waren wir quitt,
er hatte mir eine enorme Last genommen und mir Gewissheit verschafft und ich
hatte ihm eine mögliche Verbindung zu einem mächtigen verstorbenen Drachen
verschafft. Ohne ein weiteres Wort gingen wir auseinander.
Ich
traf den Rest meiner Gruppe im Gasthof, wo wir Quartier beziehen wollten,
scheinbar hatten Sie bereits am ersten Abend Erfolg gehabt bei ihrer Suche und
einen einbeinigen Haijäger gefunden, der hier mehr als nur bekannt war, man
könnte sogar sagen, er war berüchtigt. In der Nacht hatte der Rest des Teams
beschlossen, bei diesem Jäger anzuheuern und mit ihm den Deal einzugehen, nicht
nur auf Hai- sondern auch auf Seeschlangenjagd zu gehen. Jetzt müsste nur der
Steuermann der Sturmvogel bzw. der Kapitän dem zustimmen und daher gingen wir in
Richtung Hafen. Leider wollte der Steuermann eine solche Entscheidung nicht
alleine treffen und vertröstete uns auf den nächsten Morgen, da würde die
Sturmvogel einlaufen und er würde dann alles für uns abklären. So hatten wir
noch einen Tag Ruhe in der Stadt und ich beschloss, diesen Tag im Tempel zu
verbringen um den Göttern für die bisher erfolgreiche Reise zu danken und auch
um bei Boron um Verzeihung zu bitten für den Grabraum bei Ern Sen.
Am
nächsten Morgen lief die Sturmvogel mit den ersten Sonnenstrahlen ein, ein
merkwürdiges Schiff war sie. Über und über mit Haigebissen verziert. An den
Mästen waren Kräne montiert an denen zur Zeit Beiboote hingen und eine
rußgeschwärzte Steinplatte lag mittschiffs. Bei Swafnir die Wahnsinnigen machen
tatsächlich an Bord ein offenes Feuer um die Haie gleich einzukochen, die sie
fangen. Das würde ja eine abenteuerliche Fahrt werden, ich hoffte, dass meine
Gebete an den launischen Gevatter des Meeres innbrünstig genug waren und er uns
aus dieser Geschichte heil herauskommen lässt.
Der
Steuermann klärte die Idee von uns mit seinem Kapitän ab und dieser gab
tatsächlich sein Einverständnis. Jeder von uns erhielt sogar noch die normale
Heuer, immerhin 10 Dukaten – naja der Zwerg und Shanja bekamen nur fünf, was
Phileasson aber durch Geld aus der Reisekasse ausglich, besonders wegen Eigor.
Wir gingen auch gleich an Bord und richteten uns unter Deck ein, nachdem wir den
Vertrag für eine Fahrt unterschrieben hatten. Die Mannschaft von Kapitän Bacha
war noch wilder zusammengeworfen als unsere und bestand wohl so gut wie nur aus
Abenteurern. Immerhin war auch ein Efferd Geweihter mit an Bord, was meine
Zuversicht in dieses Unterfangen doch enorm steigen lies.
In den
nächsten drei Tagen auf See machten wir uns einigermaßen mit der Mannschaft
bekannt, aber man merkte dass wir hier noch als Fremdkörper angesehen wurden,
aber das war nicht weiter verwunderlich. Scheinbar hatten der Steuermann und
Kapitän Bacha dem Rest der Mannschaft nicht mitgeteilt, dass man auch auf
Seeschlangen Jagd sei. Ich half in der Zeit dem Schiffzimmermann einige
Ausbesserungen an der Sturmvogel vorzunehmen, während Katalina Seile aufwickeln
durfte und Hägar überall mal seine Erfahrungen einfließen lies.
Am
dritten Abend hörten wir in unserer Koje wie der Kapitän mit seinem Holzbein
über das Deck lief, die ganze Nacht war das Klopfen über uns zu hören und die
Aufregung in der Mannschaft stieg, denn Bacha hatte wohl ein Gespür für Haie und
wenn er aus seine Kabine kommen würde, würde der Reigen bald eröffnet werden.
Mit den ersten Sonnenstrahlen drang das permanente Schreien einer Pfeife an die
Ohren, endlich ging die Jagd los, der Ausguck hatte einen Tigerhai gesehen, der
zur zweitgrößten Tigerart gehört und nur noch von einem Ifirnshai übertroffen
wird. In seinem Strom schwammen auch einige Streifen- und auch die kleinen
Fleckenhaie mit. In wenigen Minuten waren die vier Boote im Wasser. Phileasson,
der Moha, Hägar, Katalina, 2 Mitglieder von Bachas Mannschaft und ich teilten
uns ein Boot. Der Moha ging an den Bug zum Harpunieren und ich ergriff das
Steuer während die anderen ruderten.
Vom
Schiff aus waren mittlerweile Köder ins Wasser geworfen worden und wir steuerten
genau in das Gebiet der Köder rein. Leider war der Tigerhai zu weit weg für uns,
aber zwei andere Boote hatten die Jagd auf ihn aufgenommen. Wir schafften es mit
zwischenzeitlichem Abliefern beim Schiff immer 6 Streifenhai zu erlegen, genau
wie das vierte Boot auch, die ebenfalls mit in das Ködergebiet gefahren waren.
Die anderen beiden Boote hatten zusammen einen 7m langen Tigerhai erlegt, was
die Stimmung an Bord enorm hob. Der Moha des Schiffes – Tahego – der dem Hai
wohl den Todesschuss verpasst hatte, nahm sein Messer und schnitt dem Hai den
Hals auf und füllte mit dem Blut seinen Kelch und trank dieses. Auf der
Sturmvogel brach daraufhin lauter Jubel aus, ein ziemlich barbarischer Akt, aber
naja, andere Völker andere Sitten. Die gefangenen Haie wurden direkt an Ort und
Stelle zerlegt und eingekocht um den wertvollen Tran zu ernten.
Nach
zwei weiteren Tagen wurden erneut die Boote zu Wasser gelassen und wieder ging
es auf Haijagd. Dieses mal hatten wir das Glück auf der Seite des Schiffes zu
sein, wo der Tigerhai schwamm und wir legten uns wie verrückt in die Ruder um
seiner habhaft zu werden. Die erste Harpune unseres Mohas traff ins Schwarze,
doch der Hai zog wie verrückt an der Leine. Dann wurde die Leine etwas lockerer
und der Hai schoss von unten gegen unser Boot uns es gab einen solchen Ruck dass
Hägar und einer der Ruderer von Bacha über Bord gingen. Hägar schaffte es
schnell wieder ins Boot, doch der Ruderer war scheinbar mit dem Kopf gegen das
Boot geschlagen oder gegen die Ruder und trieb bewusstlos im Wasser und ging
unter. Hägar hatte noch versucht nach ihm zu greifen, verfehlte ihn aber. Ich
lies meinen Stab fallen und sprang mit dem Kopf voran ins Wasser und erreichte
ihn und konnte ihn zurück zum Boot ziehen. Vom Hai war zur Zeit nichts zu sehen
und so langsam bekam ich ein ungutes Gefühl. Ich hatte keine Lust als
Haifischfutter zu Enden. Die anderen halfen uns ins Boot rein und ausgerechnet
Katalina zog mich aus dem Wasser. Na gut, dann würde ich ihr heute Abend einfach
den Brief aufs Bett packen und dann kann sie entscheiden wie es weiter gehen
soll.
An Bord
war die Stimmung riesig, nicht nur weil wir den zweiten Tigerhai gefangen
hatten, unser war einen Meter länger als der erste, sondern auch weil wir keinen
Mann verloren hatten. Das Eis zwischen uns und der Mannschaft war gebrochen und
so lies ich mich auf das blutige Ritual mit dem Haiblut ein, was Phil mit einem
bösen Blick quittierte, denn nun musste auch er vom Haiblut trinken. Das war mir
der Spaß aber wert und es schmeckte noch nicht mal so komisch, wie ich gedacht
hatte. Am Abend saßen wir mit Bacha und der Mannschaft gemeinsam im Schiffsbau
und zwischen Phil und Bacha baute sich so eine gewisse Stimmung auf, die es wohl
nur zwischen Kapitänen gibt, wenn sie darum eifern wer die bessere Mannschaft
hatte. Ich war froh, dass Katalina nicht wieder mit ihrem Standardspruch bei
solchen Sachen kam: Schwanzvergleich ! Der Abend wurde nachdem Bacha in seine
Kabine gegangen war mit der Mannschaft noch fröhlicher, da sie sich in seiner
Anwesenheit enorm zurückhielten.
Der
Kampf gegen die Seeschlangen
Die
nächsten Tage verliefen ähnlich, wir waren fast jeden Tag in den kleinen
Nussschalen unterwegs und hielten blutige Ernte unter den Haien. Doch an diesem
morgen war es anders gewesen, der Ausguck meldete einen riesigen Ifirnshai, den
gefährlichsten Hai aller Meere und wir hielten genau auf ihn zu. Die anderen
Boote zusammen mit Bacha hatten sich an die ursprüngliche Spur des Hais
geheftet, während wir bei den Ködern warteten und gerade kleinere Hai aufs Korn
nehmen wollten, als dieser riesige Schatten unter uns auftauchte. Mit tödlicher
Präzision warf unser Moha seine erste Harpune und traf dieses Monstrum knapp
hinter der Rückenflosse. Das Tau rollte sich wahnsinnig schnell ab und im selben
Moment flog auch schon die zweite Harpune. Ein so riesiges Ziel konnte man
einfach nicht verfehlen. Die Seile spannten sich und wir alle hielten uns an der
Rehling fest und warten auf den Ruck, der auch sofort kam. Mit einem gewaltigen
Satz flogen wir durch die Wellen und die Gischt spritzte uns nur so ins Gesicht.
Mit erschreckendem Tempo zog der Hai uns weg von den anderen Booten und von der
Sturmvogel. Wir konnten noch erkennen, wie die anderen sich mit aller Macht in
die Ruder legten um zu uns zu gelangen, doch gegen die Gewalt eines solchen
Tieres ist der Mensch hilflos und hoffnungslos unterlegen.
Mit
einem mal verlor unser Boot an Geschwindigkeit und die Seile tauchten locker im
Wasser. Hatten sich die Haken aus dem Fleisch des Haies gelöst ? Waren die Seile
gerissen ? Oder hatte er erkannt, wer ihm diese Wunden und Schmerzen zugefügt
hatte und wollte sich rächen. In der Verzweiflung zückten wir die Waffen, die
wir dabei hatten um einen eventuellen Angriff abzuwehren bzw. um wenigstens
nicht kampflos unterzugehen. Sekunden verstrichen, die jedem von uns vorkamen
wie Stunden, als mit einem mal das riesige Maul des Hais auf der Steuerbord
Seite auftauchte und das nur wenige Meter neben uns, er ging zum Angriff über.
Ruder splitterten als der massige Körper des Hais heran schoss, wenn er den Kurs
weiterverfolgen würde, würde er das Boot auf Hägars Höhe genau in der Mitte
erreichen. Instinktiv riss ich die Arme hoch und in mir sprach der
Überlebenswille die alten Worte und aus meiner Hand löste sich die Flammenlanze
und erreichte den Ifirnshai kurz bevor er unser Boot erreichen konnte. Das Feuer
versenkte seine Schnauze und fuhr zum Teil auch in den Rachen der Bestie, der
Schmerz und der Schrecken zwangen den Hai fürs Erste auf jeden Fall zum Rückzug.
Wieder warteten wir gespannt darauf, wo das Monster auftauchen würde, die Seile
verrieten uns immerhin, dass er noch in der Nähe war, da sie sich kein bisschen
spannten. Von einem Herzschlag zum anderen war der Ifirnshai hinter uns und
somit mir am dichtesten, ich konnte schon seine Zahnreihen sehen und schoss
erneut eine Feuerlanze auf ihn ab, bevor Katalina mich nach hinten riss und
damit aus der Reichweite des Haimauls. Unser Moha schleuderte über unsere Köpfe
hinweg die letzte Lanze und traf das Untier am Kopf. Das war augenscheinlich
zuviel für den Hai und er versuchte das Weite zu suchen. Unsere Harpunen
steckten fest und er zog uns mit und steuerte genau auf die anderen Boote zu.
Von der dritten Nussschale aus flog eine weitere Harpune, die dem Schrecken der
Meere das Ende bereitete.
13
Meter war der Hai lang gewesen und der Kran an der Sturmvogel bog sich unter der
Last gehörig und das Holz ächzte, doch alles verlief ohne Probleme und der Hai
wurde an Deck gehievt. Die Feier war unbeschreiblich und das wir keine Verluste
zu beklagen hatten ein großes Wunder, als Andenken an diese Jagd erhielten wir
alle einen Zahn des Ifirnhais. Doch der Kampf hatte auch Zweifel aufkommen
lassen an der Möglichkeit überhaupt eine Seeschlange zu bezwingen, denn wenn man
die Gefährlichkeiten dieses Hais mit der einer Seeschlange vergleicht, schnitt
der Hai äußerst schlecht ab und wurde auf Haustierniveau degradiert. So trat
unsere Mannschaft zusammen um darüber zu beraten ob wir diese Wahnsinnsjagd
überhaupt auf uns nehmen wollten oder ob wir diese Aufgabe versuchen würden zu
überspringen und einfach darauf hoffen, dass uns Shanja die nächste Aufgabe
nennen würde. Das dieser Vorschlag von unserem Moha zusammen mit Hägar
vorgetragen wurde, machte mich zum Teil wütend. Sollte ich mich in Hägar so
getäuscht haben ? Ich weiß, dass es ein Kampf gegen einen übermächtigen Gegner
werden würde und das wir bestimmt nicht alle unversehrt oder lebendig aus dem
Kampf gehen würden, aber würde uns Swafnir nicht mit offenen Armen empfangen,
wenn wir eine der Töchter H´Ranga vernichtet hätten ? Wäre dieser Kampf nicht
das sichere Ticket ins Paradies ? Wäre diese Tat nicht bestens dazu geeignet
unsere Namen für alle Zeiten unsterblich in den Hallen der Hetleute zu machen ?
Nach
und nach nannten alle Mitglieder unserer Expedition ihre Meinung und ihre
Argumente. Vieles lies tiefe Einblicke in die Gefühlswelt der Mannschaft zu,
Einblicke die man sonst selten bekommen hatte. Unser Moha, der ja immerhin diese
Diskussion mit angestoßen hatte, war gegen die Seeschlangenjagd, da es einfach
nur purer Wahnsinn sei. Eigor meinte, dass Feigheit gegenüber einem Feind einem
Zwergen nicht gut zu Gesicht stehen würde, so dass ich bei ihm mit einer JA
Stimme rechnete, doch er beendete seinen Satz damit, dass Dummheit einem Zwerg
genauso wenig gut zu Gesicht steht und dass es mehr als dumm wäre, sich auf
offener See mit einer solchen Kreatur anzulegen. Raluff sorgte mit einem
Augenzwinkern für die erste JA-Stimme, als er zu Phil meinte: "Du weißt schon
was ich denke, wenn ich schon einmal denke oder ?" Ein Schmunzeln huschte über
viele Gesichter und Ohm sagte nur, dass er auf jeden Fall mit dabei sei, denn so
eine Geschichte für sein episches Lied könne er sich einfach nicht entgehen
lassen. Danjuk dachte lange über seine Worte nach. Er meinte, dass das Rudel
zwar sehr stark sei, der Feind aber übermächtig. Lange schaute er Phil an und
meinte dann, dass in Phileasson Foggwulff wohl nicht umsonst der Wolf vorkäme
und das er ein guter Leitwolf sei und er ihm überall hin folgen würde und seine
Entscheidung als die eigene sehen würde. Shanja hielt sich als Beraterin raus
und so war die Reihe an Hägar. Er war der festen Überzeugung, dass es einfach
viel zu gefährlich sei und dass es schon ein Wunder war, dass wir den Ifirnshai
geschafft hatten ohne Männer zu verlieren. Wir sollten lieber auf die nächste
Aufgabe warten. Katalina stimmte nach langem hin und her für die Jagd auf die
Seeschlange, da die Aufgaben scheinbar von mal zu mal schwieriger wurden und wir
uns das Aussetzen einer Aufgabe lieber noch aufheben sollten.
Nun war
mein Augenblick gekommen, wir hatten eine Patt-Situation und Phileasson würde
mit seiner und somit Danjuks Stimme die endgültige Entscheidung treffen, daher
wollte ich ihn mit aller Macht überzeugen und versuchen die Argumente meiner
Gefährten zu entkräften. Ich wollte diesen Kampf, ich wollte keine Aufgabe der
Götter zurückweisen, weil wir Angst hatten. Ich erzählte allen vom Kampf
Swafnirs gegen die Seeschlangen und was für ein Licht eine solche Tat auf die
ganzen Mannschaft werfen würde, ich erzählte vom ewigen Ruhm und von den nie
enden wollenden Geschichten über unsere Fahrt. Auf meine Frage, ob wir überhaupt
eine neue Aufgabe bekommen würde, wenn wir aus Feigheit eine nicht schaffen
würden konnte mir Shanja keine Antwort geben, so schlug ich in diese Bresche und
zeigte den anderen auf, dass wir uns aus dem gesamten Rennen katapultieren
könnten, wenn wir jetzt den Schwanz einkneifen würden. Ich sah in den Gesichtern
der Befürworter die Augen leuchten und ihre Herzen Mut fassen und hoffte, dass
meine Rede auch Phileasson zu einem Ja bringen würde. Er nahm sich einige
Atemzüge Zeit, schaut dann in die Runde und erklärte, dass er noch nie eine
bessere, ehrlichere und aufopferungsvolle Mannschaft gehabt oder auch nur
gesehen hat als seine jetzige. Er respektiere jedes Argument und jede
Einstellung und sei dankbar für jeden Hinweis auf dieser Reise, aber er würde
sich meiner Rede anschließen und für die Jagd stimmen, da das Risiko einfach
nicht zu beseitigen wäre unehrenhaft aus dem Kampf um den Titel König der Meere
auszusteigen und er wolle nicht dem Dämonenbeschwörer Beorn diesen Titel
überlassen. Somit war das letzte Wort gesprochen und wir machten uns wieder an
die Arbeit.
Die
nächsten zwei Tage beratschlagten wir, wie wir den ungleichen Kampf aufnehmen
sollten und mussten doch vorsichtig vorgehen um nicht die Mannschaft zu früh
über das zweite Jagdunternehmen zu informieren. Zwischendurch hörten wir immer
wieder Gerüchte über einen Seeschlangenfriedhof, doch wo dieser sei, konnte uns
niemand erzählen und so war die Hoffnung auf die friedliche und gefahrlose
Erbeutung eines Zahnes schnell wieder dahin. Zusammen mit Phil beriet ich mich
mit Bacha und dem Efferdgeweihten, da ich einen Plan hatte die Seeschlange im
wahrsten Sinne des Wortes kalt zu stellen. Wenn die Schlange dicht genug am
Schiff wäre, würde ich versuchen mittels einer Elementarherrenbeschwörung ihren
Leib knapp über dem Wasser einzufrieren. Das Eis im Herzraum des Schiffes sollte
mir als Fokus dienen und gleichzeitig als Beschwörungsort. Zu meiner
Verwunderung bekam ich sogar die Erlaubnis die Kammer zu nutzen. Um sicher zu
gehen, dass ich dort keinen Bockmist baue stellte man mir Tahego als Aufpasser
an die Seite.
Ich
lies alle Sachen entfernen, die bei zu großer Kälte Schaden nehmen würden und
verschaffte mir in der Mitte des Raumes genügend Platz und bereitete in aller
Ruhe und Sorgfalt die große Elementbeschwörung vor. Ich war froh, dass Tahego
mich ohne ein Wort gewähren lies und ich auch die anderen in der Zeit nicht oft
sah, denn in mir stieg eine gewisse Unruhe herauf. Der Herr des Eises war der
Feind allen Lebens, seine Gegenwart würde den Raum wahrscheinlich schon zum
totalen Einfrieren bringen und mich wohl mit ihm, wenn ich nicht vorsichtig sein
würde. Ich ging jede Kleinigkeit der Beschwörung immer und immer wieder im Kopf
durch und kam zu dem Entschluss kurz vor der Ankunft des Herren noch einen
niederen Diener zu beschwören, der den Raum optimal gestalten sollte, damit sich
der Herr des Eises wohler fühlen würde. Am Mittag ging ich an Deck um ein wenig
Sonne zu tanken und gerade in dem Moment brüllte der Ausguck, SEESCHLANGEN IN
SICHT ! Seeschlangen, verdammt, es waren tatsächlich zwei, die scheinbar im
Liebesspiel mit einer verschlungen waren. Bacha brüllte HART STEUERBORD, genau
auf die Seeschlangen zu, was bei seiner Crew ziemliches Entsetzen auslöste. Nach
einigen gebellten Befehlen seines Steuermannes wurde der Befehl ausgeführt und
die Rotzen und die schwere Rotze schussbereit gemacht.
Ich
warf einen letzten Blick aufs Meer und eilte hinab in den Herzraum des Schiffes.
Das große Elementargewand lag zum Glück bereit und ich streifte es über. Der
Diener war schnell gerufen und der Raum verwandelte sich in eine Gletschergruft
mit dicken Eiswänden und Eiszapfen an der Decke. Der Efferdgeweihte suchte bei
dem Anblick schreiend das Weite, doch das bekam ich nur im Hintergrund mit. Ich
durfte mich von nichts und niemand mehr ablenken lassen. Die Anrufung würde mich
gleich einen Großteil meiner Kräfte kosten, da ich ohne das Aufstoßen der
verbotenen Pforten diese mächtige Beschwörung nicht schaffen würde. Als der
Diener den Raum hergerichtet und danach wieder verlassen hatte, rief ich den
Herren des Eises. Es dauerte einige Momente, wobei es mir wie eine Ewigkeit
vorkam, bis ich ihn spürte. Die Temperatur sank ins Bodenlose, auf meiner Haut
richteten sich Haare auf, froren ein und brachen ab, meine Fingerspitzen liefen
blau an und mein Atem war als dichter Nebel sichtbar. Mit der Ruhe der Ewigkeit
schoben sich mächtige Hände und Füße aus dem Eisblock aus der Wand und er stand
wie ein Golem vor mir und war sichtlich wütend, dass ich ihn beschworen hatte
und gezwungen hatte, an diesem Ort zu erscheinen. Ich zwang meine Stimme ruhig
zu bleiben und trotz der Angst und auch der Kälte nicht zu zittern. Mit wohl
überlegten Worten trug ich dem Herren des Eises meine Bitte vor, die beiden
Seeschlangen, die das Schiff angriffen – mittlerweile hatte ich einige harte
Schläge gegen die Sturmvogel gespürt – einzufrieren und im Eis fest zu halten.
Ich
spürte eiskalte Finger in meinem Kopf, seine Finger suchten nach meinen
Beweggründen, er war in meinen Gedanken, er konnte sie lesen. Davon hatte mir
nie jemand erzählt, dass die Herren der Elemente diese Fähigkeit hatten, doch
warum sollten sie es nicht haben, sie waren so alt wie die Welt und nur den
Göttern an Macht untergeordnet. Mit welchen Mächten hatte ich hier angebandelte
schoss es in meinen Kopf, hatte ich das Leben meiner Freunde und Mannschaft aufs
Spiel gesetzt, war ich erfahren genug, diesen Schritt zu Ende zu gehen ? Ich
konnte mich kaum auf etwas konzentrieren, seine kalten Finger schmerzten im Kopf
und ich war für einen Augenblick erleichtert, als ich spürte wie er meine
Gedanken verlies. Doch dann holte mich seine eisige Stimme zurück ins hier und
jetzt. "Du wagst es mich dafür zu rufen Mensch ?" dröhnte es vor mir und ich
schloss innerlich mit meinem Leben ab und hoffte, die Götter würden wenigsten
gnädig mit meinen Gefährten sein. "Aber dennoch werde ich dir diese Bitte
erfüllen, doch nicht wegen Dir, sondern wegen Deiner Mannschaft, ABER DANN WIRST
DU HIER BLEIBEN, HIER BEI MIR ! " Die letzten Worte waren mehr geschrieen und
selbst wenn er sie geflüstert hätte, hätten sie nicht aber auch gar nicht von
ihrer Wirkung verloren. Ich sollte mein Leben für die leichtsinnige Beschwörung,
das Leben meiner Gefährten und für den Sieg über die Seeschlangen geben. Ich
hoffte nur, das ich wenigstens in Ohms Liedern zu Ruhm kommen würde, wenn ich
schon hier und jetzt sterben sollte. Doch ich zögerte nicht, ich schaute ihm in
die Augen und sprach mit klarer Stimme: "dann soll es so sein !". Um mich herum
wurde es eisigkalt und ich spürte wie die Wärme von einem Herzschlag auf den
nächsten aus meinem Körper wich und wie mich tiefe Dunkelheit empfing..........
Als ich
wieder zu mir kam, lag ich in einem Kessel mit warmen Wasser und das mitten auf
dem Schiffsdeck der Sturmvogel. Einige meiner Freunde konnte ich sehen und Hägar
bot mir einen Schnaps an. Doch ich lehnte ab, ich konnte es immer noch nicht
glauben was eben geschehen war. Ich hatte ein zweite Chance bekommen, die Kälte
war aus meinem Herzen gewichen und es hatte wieder geschlagen, ich spürte meine
schmerzenden Muskeln und die hämmernden Kopfschmerzen die mich daran erinnerten
dass ich Hesindes Gaben wieder einmal vollständig verbraucht hatte und auch
meinem Körper kaum Kraft gelassen hatte um mich am Leben zu erhalten.
Ich
wollte Hägar fragen, wie der Kampf ausgegangen war und er hielt mir nur mit
einem Lachen im Gesicht den Zahn hin, bevor mein geschwächter Körper wieder
zusammensackte und ich erneut ohnmächtig wurde. Am Abend erzählten mir die
anderen, was sich an Deck abgespielt hatte. Die beiden Seeschlangen hatten das
Schiff angegriffen und waren über 20 Schritt hoch aus dem Meer aufgestiegen, ihr
Durchmesser habe über 4 Meter betragen der erste Angriff auf das Deck hätte
gleich die schwere Rotze und 3 Mannschaftsmitglieder Bachas erwischt, die das
Geschütz bedient hatten. Plötzlich hätte sich eine Eisschicht auf dem Deck
gebildet und einige wären leicht mit den Händen am Boden fest gefroren, dies
muss eine Nebenwirkung des elementaren Dieners gewesen sein. Die Seeschlangen
hätten dann mit ihrem Schwanz auf das Deck geschlagen und dabei die gesamte
Rehling Steuerbords zertrümmert und einige Planken wären unter der Wucht
gebrochen. Dieser Angriff hatte zahlreiche Verletzte und auch weitere Todesopfer
gefordert, denn überall auf dem Deck waren Splitter des Holzes zu tödlichen
Geschossen geworden. An Deck wurden alle Harpunen zusammen getragen um auf den
nächsten Angriff reagieren zu können. Dann gab es einen Ruck durch das ganze
Schiff und es wurde von den Seeschlangen quasi aus dem Meer gehoben und aus
einigen Metern auf die Wellen fallengelassen. Im Bauch des Schiffes seien einige
Bretter und Verstrebungen gebrochen und Wasser sei dort eingedrungen. Von einem
Herzschlag zum nächsten sei dann plötzlich das ganze Schiffe von Eis überzogen
worden. Von den Masten hingen Eiszapfen bis auf das Deck herab und 100 Meter um
das Schiff herum war plötzlich Eis, eine der beiden Seeschlagen sei mitten in
einem Bogen eingefroren worden, allerdings sei der Kopf unter dem Eis gewesen.
Hägar,
Phileasson, Raluff und unser Moha sprangen auf die Eisfläche und rannten auf die
Seeschlange zu und behakten sie mit ihren Äxten, bis das herausspritzende Blut
langsam versiegte. Hägar kam eine Erleuchtung wie er zum Maul der Seeschlange
vordringen könnte und holte sich einen großen Bottich vom Schiff, lies sich mit
einem Seil anbinden und rutschte die Speiseröhre des Monsters hinab unter die
Eisfläche, der Bottich bot ihm eine kleine Luftblase bzw. ebnete ihm den Weg.
Das nenne ich wirklich anbandeln mit Marbo mein Freund, ganz ehrlich, das
übertrifft alles, was ich jemals gehört habe. Scheinbar hatte er damit aber
Erfolg, es kostete ihn reichlich Kraft mit seinem Dolch und der Axt den Zahn aus
dem Kiefer zu lösen und sich dann von den anderen wieder nach oben ziehen zu
lassen, aber es gelang ihnen. Sie zogen Hägar gerade aus dem Schlund der Bestie,
als erste Wasserpfützen auf dem Eis zeigten, dass dieses nicht mehr sehr lange
halten würde. Sie rannten schnellstens zum Schiff und kletterten dort an den
Strickleitern zurück an Deck.
Katalina war nicht mit den anderen auf Eis gegangen sondern war unter der Deck
gerannt um dort nach dem Rechten zu sehen, ich weigere mich immer noch zu
glauben, dass sie sich Sorgen um mich gemacht hat. Sie berichtete, dass einige
der Matrosen vom Eis eingeschlossen wurden beim Wasserschöpfen, zwei komplett in
einem Wasserschwall und drei nur mit den Beinen und teilweise mit den Armen. Sie
konnte denen durch kleinere Feuer in der Nähe das Leben retten, auch wenn einige
der Gliedermassen nach dem Verschwinden des Eises leider amputiert werden
mussten. Die Erfrierungen waren einfach zu stark. Scheinbar hatte sie vergeblich
versucht, den Herren des Eises um Gnade anzuflehen, dass Eis vom Schiff oder zu
mindestens von den Menschen zu nehmen. Doch ihre Bitte wurde nicht gehört. Der
Herr des Eises kennt nun mal keine Gnade und so soll sie dankbar und glücklich
darüber sein, dass sie nicht auch eingefroren worden ist wie ich. Denn ich weiß,
dass ihr Herz für immer hätte aufgehört zu schlagen.
Durch
die großen Schäden mussten wir den nächsten Hafen anlaufen, Boran, die letzte
freie Stadt Maraskans. Bacha hoffte dort wohl auch seine Mannschaft wieder
komplettieren zu können, denn die Seeschlangen hatten 14 Leute das Leben
gekostet.....und das alles nur wegen eines Seeschlangenzahnes. Mögen die Götter
wissen, was wir Menschen leiden um ihre Aufgaben zu lösen und möge dieses Leid,
das alles wert sein.
In
Boran wurden wir von unzähligen Geschützen flankiert in den Hafen geleitet, die
Bewohner hier scheinen sich wirklich darauf zu verstehen dem Mittelreich Paroli
zu bieten. Wir wurden Dank Bachas gutem Ruf hier sehr gut aufgenommen und die
Geschichte von unserem Kampf gegen die beiden Seeschlangen verbreitete sich wie
ein Lauffeuer. Ich zog es vor alleine zu sein, denn ich wusste es hatte sich
einiges geändert für mich und darüber wollte ich nachdenken...
A'dao bhanda.
Die Fahrt zur grünen Hölle
Auch dieser Abend verlief wie die anderen
seit unserem Eintreffen hier. Der Rest der Mannschaft feierte Hägars Kampf gegen
die Seeschlange und betrank sich dabei wieder einmal grenzenlos. Ich zog es vor
ein wenig die Ruhe und geheimnisvolle Schönheit der Insel zu genießen und etwas
abseits der vielen Menschen meine Zeit zu verbringen. Auch wenn mich
Einheimische vor den Tieren und auch Pflanzen Maraskans warnten, die einem
Unwissenden schnell zur Gefahr werden konnten, spürte ich keine Angst. Ich
genoss viel mehr das Grün um mich herum.
Am Strand trafen sich die anderen mit den Mannschaften
weiterer Schiffe und feierten ein großes Fest. Erst nach zahlreichen Bieren
bemerkte Katalina, das Shanja sich vom Feuer entfernt hatte und im Strand
angefangen hatte zu tanzen. Wie in Trance
schrieb sie mit ihren Schritten riesige Buchstaben in den Sand, so als wenn sie
selbst von Alveran zu lesen sein müssten. Hägar ließ einen abgeholzten Baum
holen und im Sand leicht eingraben, so das Phil nach oben klettern konnte um die
Buchstaben lesen zu können.
„Wo sich das Meer Schiffe nimmt, ohne sie zu verschlingen,
wo drei alte Freunde leben, ohne einander zu vertrauen,
dort hat der Kelch des Fenvarien seinen Glanz verloren.
Bringt das Kleinod zurück nach Tie Shianna und
ihr habt den zweiten Schlüssel zur
Erkenntnis in den Händen.“
Ich stieß einige Stunden später erst zu den anderen, als diese
schon wild am diskutieren waren und schon die ersten Informationen eingeholt
hatten. Einer der Kapitäne – Kondas
Han – berichtete, es müsse sich dabei um die grüne Insel der Sagossa-See
handeln. Ein unheimlicher Ort, der
sich die Schiffe mit Algen einverleibt und sie festhält, so dass diese nie
wieder von dort entkommen könnten. Er selber sei einmal dort gestrandet und
berichtete von hunderten Masten aufgelaufener Schiffe. Nur mit Hilfe eines
zweiten Schiffes wäre er entkommen, sein eigentliches Schiff musste er dennoch
zurücklassen. Irgendwann wollte er einen zweiten Versuch machen um die Schätze
der gestrandeten Schiffe zu bergen.
Phileasson bot ihm die Möglichkeit mit uns dorthin zu
gelangen, er sollte uns mit einem Ruderboot dort aussetzen und dann nach einem
Leuchtsignal wieder aufgreifen. Er ging auch sofort auf die Idee ein und
verlangte 300 Dukaten für diesen Dienst, was Phileasson kreidebleich werden
lies. Diese Summe war einfach unakzeptabel. Scheinbar war das Risiko sehr groß,
diese Insel zu besuchen, aber wir mussten dort hingelangen. Ich beschloss mit Kondas noch einmal zu reden und ihm zu sagen, wie wichtig diese Reise für uns
war. Es durfte doch nicht sein, dass es an einem Haufen Goldscheiben scheitern
sollte. Nach einigen Minuten waren wir uns auch einige geworden, er würde uns
für 50 Dukaten zur Insel bringen. Er hatte ein Einsehen gehabt, das wir diesen
Kelch von König Fenvarien zurück bringen mussten, denn er und auch mein Schwert
gehörten einfach nicht in die Welt der Menschen.
Der Rest der Mannschaft war hellauf begeistert, dass Kondas
mit dem Preis so weit runtergegangen war, dass es unsere Reisekasse nicht
sprengte. Wir beschlossen darauf am nächsten Morgen gleich auszulaufen und hier
am Strand zu schlafen. Scheinbar hatte Hägar allerdings ein paar Biere zu viel,
er war den ganzen Tag schon gereizt und selbst für einen Thorwaler
streitsüchtig. Er meinte sich mit seiner widerlichen Bierfahne neben mich hocken
zu müssen und permanent zu kontrollieren und auch zu fragen ob ich schlafen
würde. Ich gestehe, es fiel etwas schwer mit diesem stinkendem Kerl vorm Gesicht
einzuschlafen, doch nach einigen Minuten der stillen Meditation konnte ich
ihn endlich ausblenden und ruhen.
Am nächsten Morgen hatte sich Hägars Laune nicht wirklich
gebessert, sie war eher noch schlimmer geworden. Aber das war vorauszusehen, da
er scheinbar die ganze Nacht neben mir gesessen hat und mich beobachtet hat.
Manchmal frage ich mich echt, ob der Typ noch ganz dicht ist. Kurz nach
Sonnenaufgang erschien auch Kondas Han mit seinem ersten Maat, die beiden waren
ziemlich zerknirscht und schienen wild zu diskutieren. Offensichtlich ging es um
den Betrag für unsere Reise mit dem der Maat nicht einverstanden war und auch
der Kapitän schien sich nicht mehr damit zufrieden geben wollen, traute sich
aber nicht den geschlossenen Vertrag mit einer thorwalschen Otta zu brechen,
denn das würde bedeuten das nicht nur der eigene Ruf sondern auch die Gesundheit
auf dem Spiel stand. Zähneknirschend berichtete er, dass das Schiff in einer
Stunde auslaufen würde, da man die Flut ausnutzen wolle.
Die Fahrt verlief ruhig und ich saß die meiste Zeit vorne am
Bug und genoss den Fahrtwind und die frische Luft des Meeres. In der Stadt waren
mir einfach zu viele strenge Gerüche gewesen und es war alles sehr beklemmend
und sehr eng. Wenn wir den Kelch des Königs in den Händen halten würden, wären
wir dem Ende der gemeinsamen Reise und damit Tie Shianna einen großen Schritt
näher gekommen. Ich beschloss meine Briefe und mein Tagebuch weiter zu schreiben
und ließ so die nächsten drei Tage an mir vorbeistreichen.
Vom Ausguck kam am vierten Tag der Ruf, das so etwas ähnliches
wie Land in Sicht wäre und ich kann die gewählten Worte des Matrosen gut
verstehen, denn vor uns lag eine Mischung aus Algenteppichen und auch
vereinzelten Schiffswracks, der Durchmesser dieser grünen Insel musste mehrere Kilometer betragen. Mit dem Beiboot ließen wir uns an die Ausläufer
des Tangfeldes bringen und konnten wirklich zusehen, wie die Pflanzen versuchten
Halt am Boot zu finden um es festzuhalten. Wir sprangen von Bord und gelangten
nach mehrmaligem Einsinken auf festere Flächen die von der Sonne getrocknet
waren. Phileasson scherzte, dass es sich bei dieser Insel nicht um das
Güldenland, sondern eher um Gülleland handeln müsste, denn der Gestank vom
vermoderten Tang war wirklich bestialisch.
Wir marschierten auf das Zentrum der Insel zu und konnten
erkennen, dass dort scheinbar eine größere Anzahl an Schiffen aufgelaufen war.
Nach einigen Stunden des Wanderns war mir allerdings schnell klar, dass wir es
in drei Tagen nie zum Zentrum und wieder zurück schaffen würden. Kondas würde
also nicht mehr da sein, wenn wir wieder am äußeren Rand des Feldes wären. Ich
behielt meine Erkenntnis erst mal für mich, denn insbesondere Eigor würde dann
wahrscheinlich sofort wieder zum Schiff zurück laufen. Unseren kleinen Zwerg
hatten wir zur Sicherheit eh an die Leine genommen, da er auf sein Kettenhemd
nicht verzichten wollte und so mit seinen Schwimmkünsten schneller untergegangen
wäre als ein Stein.
Zum Abend hin suchten wir Schutz bei zwei gestrandeten
Schiffen, beide waren ungefähr Baugleich und schienen als Handelsfrachter vor
ca. 40 bis 50 Jahren hier gekentert zu sein. Das zweite Schiff hatte Schlagseite
und der Mast lief parallel zum Boden. Wir beschlossen uns erstmal „unser“ Schiff
anzusehen und am nächsten Morgen dann vielleicht noch das andere.
Die Untersuchung des Schiffes gestaltete sich recht einfach,
der gesamte Laderaum war geplündert, die letzten Kisten die noch vorhanden
waren, waren mit Äxten oder anderem schweren Gerät geöffnet worden und dann
ausgelehrt. Hier gab es auf jeden Fall nichts zu holen, auf der anderen Seite
schien vom Wrack auch keine Gefahr für uns auszugehen. In der Kapitänskajüte
entdeckte Katalina das Logbuch des Schiffes und wir konnten die letzten
Eintragungen lesen bevor das Buch wortwörtlich zu Staub zerfiel.
Die Mannschaft hatte die Gefahr der Algen nicht gekannt und
sich am Anfang sogar darüber amüsiert, das ihr Kapitän das Schiff aufgesetzt
hatte. Der Spaß verflog aber, als sie erkannten, das die Pflanzen das Schiff
festhielten und es ihnen unmöglich machte, die Insel wieder zu verlassen. Nach
und nach seien dann Mitglieder der Mannschaft gestorben, teilweise an
Krankheiten und teilweise auch nur auf Expeditionen verschwunden. Am Ende blieb
dem Kapitän nichts anderes übrig als mit den restlichen Matrosen das Schiff zu
verlassen und nach Nahrung zu suchen. Die Einträge endeten hier. Aus einer
kleinen Randnotiz konnten wir Berechnungen entnehmen, nachdem sich das Schiff
ständig weiter auf die Mitte zu bewegen würde und das sich das Tangfeld quasi
langsam drehen würde. Phileasson half mir bei meinen Berechnungen über den
Seekarten und wir konnten diese Theorie bestätigen. Wenn das Schiff noch einmal
ca. 40-50 Jahre so vor sich hintreiben würde, dann würde es automatisch im
Zentrum ankommen. Da wir nicht so lange warten wollten, beschlossen wir hier zu
schlafen und am nächsten Tag auf eigenen Füssen weiter zu laufen.
In der Nacht hielten der Moha und ich die erste Wache und
unterhielten uns angeregt. Scheinbar gab es in diesem Tangfeld Pflanzen, die bei
Dunkelheit grün leuchteten und so die ganze Szenerie noch gespenstischer
erschienen ließen. Beim Nachbarschiff konnten wir außerdem tanzende kleine
Lichter ausmachen, die wir beide in die Kategorie Irrlichter einordneten.
Während der Nacht griffen wir zahlreiche Themen auf und beim Anblick der
tanzenden Irrlichter
erklärte er mir, dass sich auf dem Schiff dort drüben etwas schreckliches
ereignet haben musste, denn die Toten würden schreien und keine Ruhe finden. Für
uns beide stand fest, dass wir am nächsten Morgen gemeinsam versuchen würden,
den Geistern ihre Ruhe zu geben. Durch die angeregte Unterhaltung übernahmen wir
auch die zweite Wache und die Gespräche wurden vertrauter und intensiver, es
schien fast so, als hätte wir beide endlich jemanden gefunden, der den anderen
wirklich versteht, versteht ohne zu hinterfragen. Am Ende der zweiten Wache
schaute er mir lange und tief in die Augen, streckte mir die Hand entgegen und
nannte mir zum ersten mal seinen wahren Namen, der mir einen tiefen Einblick in
die Seele des Mohas gab. Er wusste – und ich sprach es auch nicht aus – das ich
dieses Geheimnis mit in mein Grab nehmen würde. Ich nannte ihm danach meine
Namen und wir schauten ohne ein weiteres Wort auf das Tangfeld hinaus.
Einige Momente später hörte man Hägar hinter uns auf die
Rehling zu laufen und nach was suchen. Er erzählte uns, dass er ständig die Rufe
von Nirka - der Nivesin vom Stamm
der Rauhwölfe – hören würde, sie wäre auf dem anderen Schiff und würde scheinbar
Hilfe brauchen. Der Moha schaffte es Hägar davon zu überzeugen, dass Irrlichter
und Geister ihm hier einen Streich spielen würden und das wenn er jetzt das
Schiff verlassen würde, er bald auch diese Gefilde verlassen würde. Hägar
stimmte ein, dass ihn der Moha mit Gesang seines Stammes in einen tiefen Schlaf
schickte und ich musste erkennen, dass in ihm mehr als nur ein großer Jäger
steckte.....viel mehr..... Auch die dritte Wache wurde von uns beiden
übernommen, die Müdigkeit hatte in dieser Nacht keine Macht über uns, denn es
gab einfach zu viel zu erzählen und zu klären. So standen wir bis zum
anbrechenden Morgen dort, voller Fragen und Geschichten und doch fiel kein Wort.
Sichtlich erleichtert alles geklärt zu haben begrüßten wir die ersten Strahlen
der Sonne, die die mysteriös leuchtende Insel wieder zu einem Schiffsfriedhof
werden lies.
Am nächsten Morgen hatte Hägar ziemliche Probleme mit dem
Aufwachen, unser dunkelhäutiger Freund hatte ihn wohl etwas zu tief in den
Schlaf geschickt. Nach einem kurzen und kargen Frühstück machten wir uns auf das
andere Schiff zu untersuchen. Mit Erschrecken stellten wir auf der anderen Seite
fest, dass das gesamte Deck von riesigen Spinnenweben eingenommen war und das
überall menschengroße Kokons hingen. Unter größten Sicherheitsvorkehrungen
drangen wir nach und nach zum Deck vor und Hägar öffnete einen der Kokons. In
ihm verweste ein Mensch und hatte sich bis auf die Knochen schon zu einem
Brei verwandelt. Shanja und der Moha knieten nieder um jeder auf seine Art für
die Seelen der Verstorbenen zu beten, während der Rest der Mannschaft sich unter
Führung von Raluf aufmachte, dieser Spinne den Lebensfaden zu zerschneiden.
Hägar hackte den Mast ab um sicher zu gehen, dass das Vieh nicht im Mastkorb saß
und danach drangen wir in den Bau des Schiffes ein. Gleich hinter der ersten Tür
erwartete uns das 2 Meter große Spinnenmonster, es hatte allerdings schon das
Zeitliche gesegnet und es war nur noch der Chitinpanzer vorhanden. Die
Abmessungen und die überdimensionalen Fressinstrumente bereiteten uns allerdings
schon Sorgen. Zur Sicherheit durchsuchten wir noch das ganze Schiff, konnten
aber weder brauchbare Fundstücke noch andere Spinnen ausfindig machen.
Wir setzen dann unsere Reise gen Zentrum der grünen Hölle, wie
sie mittlerweile genannt wurde, fort und entwickelten zahlreiche Theorien um was
es sich hier handeln könnte. Hägars Vorschlag sorgte allerdings mit Abstand für am
meisten Gänsehaut. Er bezeichnete das Tangfeld als Spinnennetz einer Seespinne,
deren Größe natürlich im Verhältnis zum Netz stehen müsste. Ich fing an dieser
Theorie ein wenig nach zu gehen und kam dann zu dem Ergebnis das eine normale
Kreuzspinne ca. 2cm groß war und ich schon Netze von dieser Spinnenart gesehen
hatte, die gut einen Meter groß waren. Bei einem Netzdurchmesser von mehreren
Kilometern, ich schätze die Entfernung vorsichtig mal auf 10km würde das beim
gleichen Verhältnis eine Spinne mit einer Größe von gut 200 Metern bedeuten. Ich
beschloss, mein kleines Rechenspiel für mich zu behalten und folgte den anderen
auf dem Weg Richtung Zentrum der grünen Hölle.
Nach einigen Stunden des Wanderns flog aus einem der
Schiffswracks ein Pfeil vor uns und kurz darauf ein zweiter. Hägar versuchte den
Schützen von seinem Tun abzubringen, aber das ohne Erfolg. Der Rest der
Mannschaft ging in den Sturmangriff auf das Wrack über, Katalina und ich an der
Spitze. Nahezu blindlings liefen wir in eine Falle, denn überall waren Löcher im
Algenteppich und wir sanken ein und wurden dann von riesigen Krebsen attackiert
deren Scheren über einen halben Meter maßen. Tiefe Schnittwunden und der
scheinbar steinharte Panzer zwangen uns zu einem sofortigen Rückzug, doch wir
waren schon von den Kreaturen unter dem Tang eingekesselt worden und
wurden immer
wieder angegriffen. Eigor brach zwischendurch ins Wasser ein und tauchte unter.
Ich kämpfe gegen das in meinen Adern kochende Blut und Swafnirs Wallwut an und
warf mich mit meinem ganzen Gewicht in das Sicherungsseil der Zwerges und fing
einfach an zu rennen. Andere zogen auch noch mit und wir brachten unseren Zwerg
mit einigen Schnittverletzungen durch die Krebse wieder ans Tageslicht.
Zu unserem Erschrecken mussten wir eingestehen, dass wir keine
Chance hatte von hier weg zu kommen ohne uns weiteren Angriffen durch die Krebse
auszusetzen. Der Ort war für einen Hinterhalt perfekt gewählt. Am Himmel
tauchten plötzlich weitere Wesen auf, es war eine bizarre Mischung aus Mensch
und Fledermaus. Die Arme waren gegen riesige Lederschwingen ausgetauscht und die
Beine gegen Arme, Kopf und Torso stammten von Menschen auch wenn die entstellten
Gesichter kaum noch darauf schließen ließen. Scheinbar waren sie uns aber nicht
feindlich gesonnen, sondern wollten uns zur Hilfe eilen und ließen sich nach
einigem Zögern auf unseren Schultern nieder, griffen zu und hoben uns in die
Luft. Für uns Thorwaler benötigten Sie allerdings zwei Träger und auch die
hatten bei unseren Schwergewichten doch schon einige Probleme.
Aus der Fledermaus-Mensch-Perspektive konnten wir in das
Innere des Schiffswracks blicken und erkannten 5 Menschen darunter 2 Schützen
die noch auf uns anlegten, auf Grund der mittlerweile erreichten Höhe die Pfeile
aber nicht mehr abfeuerten. Der Flug gestaltete sich als zweifelhaftes
Vergnügen, die Höhe war mit gut 100 Schritt schon tödlich bei einem Sturz aber
wir entkamen so dem teuflischen Hinterhalt und erkannten von hier oben sehr gut,
dass wir ohne fremde Hilfe dort nicht herausgekommen wären. Das ganze Gebiet
bestand nur aus Löchern und Fallen. Wir flogen weiter nach Süden und konnten auf
dem Weg sechs weitere Schiffe ausmachen, die komplett von Spinnweben besetzt
worden waren und auch von den Kokons konnten wir einige aus der Luft dort
ausmachen. Wir flogen nicht auf das Zentrum der Insel zu, sondern gut einen
Tagesmarsch davon entfernt vorbei auf eine große Schivone zu, die noch wie neu
aussah. Auf dem Deck wurden wir bereits von einem grauhaarigen Magier erwartet,
der dem Klischee mit Bart, Robe und Stab mal wieder voll gerecht wurde.
Der Magier stellte sich als Vespertilio
vor und war freundlich
aber auch noch reserviert. Er fragte nach unserer Herkunft und Phil erklärte
ihm, dass wir hier wären um einen Gegenstand zu bergen, der scheinbar auf der
Insel verloren gegangen war. Nachdem wir uns vorgestellt hatten machte er sich
auf, ein paar Nahrungsmittel zu besorgen und sogar ein Fässchen Wein aus dem
Inneren des Schiffes zu holen. Wir beratschlagten unter dem wachenden Blick von
ca. 60 der Lederschwingen in wie weit wir den Magier ins Vertrauen ziehen
wollten und überließen Phil die Entscheidung. Kurz darauf kehrte
Vespertilio zurück und wir fingen an, ihm beim Essen mit Fragen zu löchern und er gab
bereitwillig Auskunft.
Er kam vor 16 Jahren auf diese Insel und kurz darauf traf ein
weiterer Magier hier ein, Namens Vermis, der auch für den Angriff auf uns
verantwortlich war. Am Anfang waren die beiden wohl so etwas wie Freunde, haben
sich aber im Laufe der Jahre auseinandergestritten und hatten immer noch einige
kleine Reiberein miteinander. Vermis hatte es geschafft über die Krebse
Kontrolle zu erlangen, die teilweise bis 2 Meter groß wurden und seine
Privatarmee darstellten. Auch einige Menschen aus den gestrandeten Schiffen
hatten sich im angeschlossen. Eine dritte Partei auf der grünen Hölle stellten
die Spinnen da, die im Zentrum der Insel wohl ihr Hauptnetz hatten, dort soll es
sogar Exemplare geben die über 4 Meter groß wurden. Das Zentrum der Insel war
eine große Galeere, die über und über mit Spinnenweben bedeckt war. Ein
finsterer Gedanke keimte in mir auf, wir würden früher oder später genau dort
hin müssen um den Kelch des letzten Königs zu bergen. Noch hielt Phileasson den
genauen Grund für unsere Reise geheim und wir wechselten nach zahlreichen Fragen
in belangloses Geschwätz, bevor wir uns auf dem Schiffsdeck zur Ruhe legten.
Der Spinnendämon
Am nächsten Morgen wollten wir nach einer kurzen
Rücksprache mit unserem Gastgeber aufbrechen und uns einen Weg zum Zentrum der
grünen Hölle frei kämpfen. Wir waren mittlerweile alle davon überzeugt, dass auf
der Galeere dort der Kelch des Fenvarien auf uns warten würde.
Vespertilio erzählte uns, dass diese Galeere aber auch das
Zentrum der Riesenspinnen sein würde und das rund um die Galeere ein Ring von
übersponnenen Schiffen auf uns warten würde. Ein Fußmarsch dorthin wäre also
reiner Wahnsinn, da wir auch immer wieder mit Angriffen der großen Krebse und
der Bogenschützen rechnen müssten.
Vespertilio bot uns an, dass uns seine Lederschwingen auf die
Galeere bringen würden, allerdings müssten wir ihm versprechen, dass wir ihn
danach mit von der grünen Hölle nehmen würden, da er endlich wieder auf das
Festland kommen wollte. Das war für uns natürlich Ehrensache und so wurden wir
uns schnell einige. Nach wenigen Minuten waren unsere wenigen Sachen gepackt und
wir wurden wieder von den Lederschwingen sanft in die Luft gehoben. In knapp 100
Metern Höhe ging es über das grüne Tangfeld, wir konnten unzählige Schiffe
ausmachen, die scheinbar aus jedem Teil des Kontinents hier aufgelaufen waren.
Je mehr wir uns allerdings dem Zentrum nährten, desto schwerer war es die
Schiffstypen eindeutig zu bestimmen, die Bauweise ähnelte nur noch Ansatzweise
den heutigen Schiffstypen und so manches Schiff hatte im Laufe der Jahrzehnte
oder Jahrhunderte im inneren Kreis unter den Hörnern Satinavs nachgegeben und
war in sich zusammen gefallen.
Vespertilio schien mit der Behauptung recht zu behalten, dass
im Zentrum das Herz der Spinnenkultur liegen musste, denn je weiter wir in diese
Richtung flogen, desto öfters konnten wir unter uns Schiffe und Wracks
ausmachen, die von den weißen Fäden der Mistviecher überzogen waren, eine
Bewegung oder ein Lebenszeichen konnten wir allerdings nicht erkennen. Es
dauerte mehrere Stunden bis wir die Galeere erkennen konnten. Vespertilio rief
uns zu, dass er nicht weiter mit kommen würde, sondern das ganze aus sicherer
Entfernung betrachten würde. Die Lederschwingen hielten weiter auf das Schiff zu
und um die riesige Galeere war wahrlich wie eine Wagenburg ein Kreis aus
Schiffen die vor Jahrhunderten hier gestrandet sein mussten.
Als wir diesen Ring überflogen kam plötzlich Bewegung in die
gespenstische Szene, auf dem Schiffsdeck der Galeere krochen aus zahlreichen
Netzen und Öffnungen Spinnen jeglicher Größe. Von faustgroßen Baumspinnen, über
ein Meter große Speispinnen bis hin zu zwei Meter großen Höhlenspinnen. Von der
letzten Sorte schienen zum Glück nur zwei Stück auf dem Schiff zu sein, aber
auch die anderen waren auf Grund ihrer Anzahl und ihres Giftes gefährliche
Gegner. Auf den letzten Metern die uns vom Heck des Schiffes noch trennten viel
es mir wie Schuppen von den Augen. Dieses Schiff war keine normale Galeere, es
waren eine alte Galeasse der hohen Elfen. Ich erkannte die besondere Stellung
der Segel, eine Bauweise die seit Jahrhunderten nicht mehr verwendet wurde, da
das Wissen mit den Hochelfen untergegangen war. Wieder führte uns unsere Reise
auf eine Spur der Vergangenheit der alten Elfenreiche.
So gerne ich noch die Kunstfertigkeit dieses Schiffes
genossen hätte, ich wurde durch Hägars Kampfruf aus meinen Träumen gerissen. Er
war zusammen mit Katalina als erstes auf dem Deck abgesetzt und wurde sofort von
den Speispinnen unter Beschuss genommen. Einige Fäden klebten an seiner
Lederrüstung aber er konnte sich scheinbar noch gut genug bewegen. Im nächsten
Herzschlag spürte ich wie der Griff meiner Lederschwingen sich lockerte und sie
mich aus einem halben Schritt Höhe auf das Deck fallen ließen. Ich rollte mich
blitzschnell zur Seite und machte den Nachkommenden Platz. Auf Grund der vielen
Giftspinnen an Bord wollte ich mir Madas Gaben für die Verwundeten aufheben, die
es nach diesem Kampf sicherlich geben würde, daher zog ich meine Wurfäxte und
machte mich zum Kampf bereit.
Hägar und Katalina stürmten voran und trieben die Spinnen vor
sich her. Mir viel es schwer bei den vielen Chitinpanzern und Beinen den
Überblick zu behalten und ich glaube auch allen Kämpfenden war es egal ob sie
eine eigene Spinne die Beine abschlugen oder ob diese zu den Beinen der
Nachbarspinne gehörten. Die Speispinnen bedeckten unsere Kämpfer immer mehr mit
ihren Spucknetzen und die ersten hatten Probleme ihre Waffen noch richtig zu
schwingen, daher wollte ich mich auf diese Viecher konzentrieren. Mein erstes
Beil traf sein Ziel und verjagte die Spinne. Scheinbar konnte ich sie so nicht
töten aber immerhin zum Rückzug zwingen. Da scheinbar noch niemand ernsthaft
verletzt war schoss ich einen Fulminictus auf eine der Spinnen, die darauf hin
von der Relling des Schiffes fiel.
Eine der großen Höhlenspinnen hatte sich mittlerweile auf das
Deck herabgelassen war gerade in Reichweite von Hägars Axt geraten. Er schwang
seine Waffe mit beiden Händen über den Kopf und legte seine ganze Kraft in
diesen vernichtenden Schlag. Zu seinem Unglück stolperte er über die abstehenden
Beine einer bereits erschlagenen Spinne und sein Schlag ging ins Leere. Er aber
brachte sich genau zwischen die riesigen Beißinstrumente der Höhlenspinne und
ich bin froh, dass tief in mir etwas die Oberhand ergriff und meine letzte
Skraja flog um Haaresbreite an Hägars Kopf vorbei und traf die Spinne im Zentrum
ihres Kopfes. Blut spritzte auf Hägar und den Schritt den das Vieh vor Schmerz
zurück machte, gab ihm die Möglichkeit sein Axt aus den Planken des Schiffes zu
reißen und den Schädel der Spinne nun mit einem wuchtigen Schlag zu zertrümmern.
Die gesamte Mannschaft hatte sich in den Kampf geworfen und
so war das Heck des Schiffes relativ schnell gesichert. Drei Leute waren von uns
gebissen worden und hatten Taubheitsgefühlte in den entsprechenden Gliedern.
Doch zum Glück hatte mir einer meiner Lehrmeister immer den Klarum Purum ans
Herz gelegt und ich hatte seinen Rat zum Glück befolgt. So war nach einigen
Minuten das Gift aus dem Blute meiner Kameraden gebannt und wir wollten uns
gerade auf den Weg machen, dass Schiff zu erkunden, als vom Bug her Kampflärm zu
uns herüber kam. Beorn der Blender war angekommen, doch von seiner Mannschaft
war niemand zu sehen, dafür merkwürdig gekleidete und komplett vermummte Krieger
die für ihn kämpften. Auch war ein fremder Magier bei Ihm und der immerhin noch
anwesenden Traviageweihten zu sehen, der Beschreibung nach könnte das dieser
Vermis sein. Wir gegen in Deckung, denn scheinbar hatten sie uns noch nicht
entdeckt.
Der Rest der Mannschaft wollte über die Kapitänskajüte in das
Schiff vordringen, während ich mich unsichtbar an Beorn und seine merkwürdige
Mannschaft heranschleichen wollte, um versuchen mehr über den Verbleib der
anderen herauszubekommen und ihnen gegebenenfalls den Kelch abnehmen, falls sie
diesen schon gefunden hatten. Diebstahl war schließlich eindeutig nicht verboten
bei diesem Rennen der Götter und Gevatter Phex sollte ja auch seinen Anteil an
Huldigung bekommen. Ich schlich mich über seitlichen Ruderbänke an Beorn und
seinen merkwürdigen Haufen heran und versuchte einen Blick auf die Gesichter der
Krieger zu erhaschen aber sie waren wirklich absolut verschleiert. Gerade als
ich mich näher heranschleichen wollte, hörte ich wie Vermis einen Odem Sprach,
er war scheinbar auf der Suche nach dem Kelch. Sein Blick fiel dummerweise genau
in meine Richtung und bevor er etwas rufen oder machen konnte, rannte ich was
das Zeug hielt zum Heck des Schiffes zurück und sprang hinter den anderen in die
Kapitänskajüte.
Scheinbar hatten sich ihnen hier zwei Höhlenspinnen in den
Weg gestellt und wurden ziemlich übel zu gerichtet. Die Mannschaft wusste, dass
sie sich beeilen musste um vor Beorn den Kelch zu erlangen. Ich rannte immer
noch unsichtbar an Katalina vorbei, die unter Deck scheinbar die Führung
übernommen hatte, ihr erschrecktes Gesicht war schon ein wenig erheiternd als
sie spürte das jemand sie passierte, den sie nicht sah. Als ich etwa mittig im
Schiffsbauch war, gab der Boden unter mir leicht nach und bebte. Ich nutzte
meinen Schwung aus und brachte mich durch einen Sprung in den nächsten Raum in
vermeidliche Sicherheit. Hinter mir hörte ich Holz krachen und Splitter durch
den Raum fliegen. Ich warf einen Blick nach hinten und musste erkennen wie sich
die Beine eines riesigen Spinnendämons aus dem unteren Schiffsdeck durch den
Boden tasteten und sein fetter hässlicher Leib folgte. Phil rief Kommandos und
alle gingen zum Kampf über, ich schickte ein stummes Gebet Richtung Himmel und
rannte weiter durch den Raum. Der Zauber Unsichtbarer Jäger tat hier gute
Dienste, denn die beiden großen Spinnen konnten mich auch mit ihrer Überzahl an
Augen nicht sehen. Hinter mir und über mir hörte ich den Kampflärm. Beorn war
also noch nicht weiter hier unten eingedrungen. Die Chancen den Kelch vor ihm zu
finden wuchsen und ich hoffte einfach meine Gefährten würden sich außerhalb der
Fänge des Dämons bewegen.
Ich sprang durch ein Loch im Schiffsboden in die unterste
Ebene der Elfen-Galeasse. Ich hatte Probleme zwischen den Beinen des
Spinnendämons den Laderaum zu passieren und mir war nicht ganz wohl bei der
Sache. Plötzlich hörte ich über mir einen Schrei und ich sah, wie Hägar über den
Rücken des Dämonen rollte und zwischen seinen Beinen aufschlug. Er war nur
einige Meter von mir entfernt und der Dämon drohte ihn zu zertrampeln. Ich
atmete ein paar mal tief durch und sprang dann vor. Ich bekam Hägar an der
Schnürung seiner Rüstung zufassen und zog ihn aus dem Laderaum heraus in den
Nebenraum. So lange der Dämon nicht versuchte sich hier unten durch enge Türen
zu zwängen würde er hier in Sicherheit sein.
Ich betete zu den Göttern riss mir einen Teil meiner Robe vor
Mund und Nase um den bestialischen Gestank des Höllentieres von mir fern zu
halten. Dann rannte ich los und nutzte herumstehende Fässer und Kisten als
Deckung. Ich wollte im hinteren Raum des Schiffes an fangen mit meiner Suche
nach dem Kelch, er musst einfach hier unten sein, warum sonst würde ein mehrfach
gehörnter Dämon hier sonst manifestiert sein.
Mit letzter Kraft zauberte ich einen Odem um dem Artefakt
schneller auf die Spur zu kommen und ich hatte Glück, ich war im richtigen Raum
und ich blickte in die richtige Richtung. Der Kelch ward gefunden. Er war in
einer kleinen unscheinbaren Holzkiste verborgen. Kaum hielt ich das Kleinod in
den Händen hörte ich hinter mir Stimmen und ich versuchte den Kelch im Gewand zu
verbergen als ich mich ein Zauber traf und mir vor Schmerzen die Sinne
schwanden. Mein Körper wand sich in Agonie und meine Muskeln krampften und
schienen im nächsten Moment zu zerreisen. Ich habe noch nie solche Qualen
gelitten und ich kann noch nicht einmal sagen ob es nur für Sekunden, Minuten
oder für wie lange war. Es war einfach kaum auszuhalten.
Als ich
wieder Gewalt über meinen Körper erlangte, ich den Zauber abschüttelte oder
seine Wirkung nachließ, wusste ich sofort, der Kelch war mir entrissen worden
also schleppte ich mich zurück in den Hauptraum. Kurz vor dem Durchgang zu dem
Raum wo ich Hägar abgelegt hatte lag der leblose Leib des erschlagenen Dämons
und neben ihm der fremde Magier mit einer Schwertwunde in der Brust, die auch
auf dem Rücken klaffte. Jemand musste ihm ein Schwert bis zur Parierstange durch
den Leib getrieben haben. Hägar lebte, er sah zwar kaum danach aus aber er
winkte mir geschwächt zu. Über uns wurden Seile herabgelassen und die Mannschaft
kam zu uns. Phil erzählte, dass Raluff von dem Dämonen schwer in der Brust
getroffen wurde und das dort jetzt ein riesiges Loch sei. Golgari würde sich
seiner Seele annehmen. Eine Träne ran über das Gesicht unseres Kapitäns und ich
wusste wie er sich fühlte, er kannte Raluff wohl schon lange und hatte einen
guten Freund verloren. Doch ich wollte nicht aufgeben, ich hatte schon den Kelch
verloren, sollte ich jetzt auch noch einen Freund verlieren, ein
Mannschaftsmitglieder für dessen Wohl ich verantwortlich war ? Das konnte ich
nicht. Ich lies mich mit den Seilen nach oben ziehen, denn zum klettern fehlte
mir die Kraft. Ich fiel neben Raluff auf die Knie und betete das es noch nicht
zu spät sei und die Götter mein Opfer akzeptieren würden.
Die Wunde war mehr als Faustgroß und hatte das Fleisch in der Brust nicht nur
zur Seite gedrückt sondern es herausgestanzt. Ich legte zitternd meine Hände auf
die Wunde und sprach die heilende Formel des Balsam und doch kam sie nicht wie
gewohnt über meine Lippen denn ich hörte ein zweite mir mittlerweile so
vertraute Stimme die mir jetzt zur Seite stand und mir die Kraft gab meinem
Freund zu helfen. Gähnend langsam schloss sich die Wunde und mir schien es als
würde sich in mir eine gleichzeitig auftun. Ich hatte die Grenzen der verbotenen
Pforten wieder einmal überschritten und ich wusste genau es würde nicht reichen,
ich ging tief in mich und fand den Punkt wo Mada die Gabe der Magie in die
Herzen der Menschen gelegt hatte, ich fand diesen Punkt und ich zerstörte einen
Teil davon in der Hoffnung das mir dieses einmalig die Kraft geben würde einen
Zauber zu beenden für den ich sonst zu schwach gewesen wäre. Das letzte was ich
sah, war das sich Raluffs Wunde schloss und sich sein Brustkorb hob und wieder
sank. Er lebte. Borons Bote Golgari, der sicherlich schon in den Masten des
Schiffes auf Raluff gewartet hatte breitete nun den gnädigen Mantel der Ohnmacht
über mir aus.
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